Israelische Ermittler auf dem Weg nach Wien

18. April 2004, 12:36
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Presse: Fahnder wollen österreichische Konten überprüfen, über die Gelder an den israelischen Minister Lieberman geflossen sein könnten

Jerusalem - Israelische Polizeioffiziere werden in den nächsten Wochen nach Wien fliegen, um Konten zu überprüfen, über die Gelder des österreichischen Geschäftsmanns Martin Schlaff zur Partei des israelischen Verkehrsministers Avigdor Lieberman geflossen sein könnten. Das berichtete die israelische Tageszeitung "Yediot Aharonot" am Freitag. Bei der Abteilung für "internationalen Betrug" der israelischen Polizei läuft schon seit Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen Lieberman, ausgelöst durch einen Bericht des Staatskontrollors aus dem Jahr 2000 über Parteienfinanzierung.

Liebermans ultrarechte Partei "Israel ist unser Haus" habe von einer israelischen Bank einen Kredit in Höhe von einer Million Dollar erhalten, der durch ein Guthaben in einer Wiener Bank abgesichert worden sei. "Ein ausländischer Bürger habe eine persönliche Bürgschaft angeboten", hieß es in dem Bericht. Die israelische Polizei beschloss daraufhin, die jeweiligen "Interessen" des österreichischen Geschäftsmanns und des israelischen Politikers zu überprüfen.

Schlaff war nach Informationen des Wiener Nachrichtenmagazins "Format" im Jahr 2002 maßgeblich an den "Verhandlungen zur Normalisierung der österreichisch-israelischen Beziehungen" beteiligt. Schlaff, der gemeinsam mit dem ehemaligen ÖVP-Obmann Josef Taus den bulgarischen Handy-Betreiber MobilTel übernommen hatte, sei mit der Familie des israelischen Premiers Ariel Sharon seit Jahren gut bekannt, hatte das Magazin berichtet.

Zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) sei Schlaff über seinen Kompagnon Taus in näheren Kontakt gekommen. Taus hatte diese Kontakte gegenüber dem Magazin bestätigt; Schlaff habe sich "um die Sache sehr verdient gemacht." Schlaff selbst hatte sich dazu nicht äußern wollen. Der Geschäftsmann ist auch Miteigentümer der Betreibergesellschaft des inzwischen de facto still gelegten Casinos "Oasis" in Jericho im Westjordanland

Der aus Moldawien stammende Lieberman, der Kabinettschef des früheren Ministerpräsidenten (und heutigen Finanzministers) Benjamin Netanyahu gewesen war, widersetzt sich massiv den Plänen von Ministerpräsident Ariel Sharon, die israelischen Siedlungen im Gaza-Streifen aufzulösen. (APA)

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