Alitalia: Aufsichtsratmitglied aus Protest zurückgetreten

25. April 2004, 18:22
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Ungewissheit um Sanierungsplan sorgt für Spannungen

Rom - Die Ungewissheit um die Zukunft der Alitalia sorgt für Spannungen im Aufsichtsrat der noch staatlichen Fluggesellschaft. Roberto Palea, der im Alitalia-Aufsichtsrat die Bank IMI, Aktionärin der Fluggesellschaft vertritt, reichte seinen Rücktritt ein, nachdem die ursprünglich am Donnerstag geplante Billigung eines Regierungsdekrets zur Unterstützung der krisengeschüttelten Flugverkehrsbranche hinausgeschoben wurde. Palea protestierte wegen der Passivität der Regierung Berlusconi und der Gewerkschaft vor der gravierenden Alitalia-Krise.

Auch die Gewerkschaften protestierten wegen des Beschlusses der Regierung, die Verabschiedung des Dekrets auf kommende Woche zu verschieben. Um das Dekret sind in Koalitionskreisen angeblich Meinungsverschiedenheiten aufgetreten, berichteten italienische Medien. "Diese Verzögerungen sind für Alitalia verheerend. Wenn das Management nicht bald seine Strategie zur Rettung der Airline vorstellen wird, werden wir wieder soziale Kampfmaßnahmen beschließen müssen", sagte ein Sprecher des Gewerkschaftsverbands Cisl.

Maßnahmenpaket

Das Maßnahmenpaket der Regierung Berlusconi sieht unter anderem Steuerentlastungen für Treibstoff vor sowie soziale Unterstützungen für Angestellte der Fluggesellschaften, die ihren Job verlieren sollten. Außerdem sollen die Steuern auf Flugtickets gesenkt und die Abgaben, die die Fluggesellschaften der Luftfahrtbehörde Enav zahlen, gesenkt werden.

Nach Angaben der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" (Freitag-Ausgabe) soll das Dekret Maßnahmen im Wert von 300 Mio. Euro enthalten. Rund 190 Mio. sollen indirekt Alitalia aus der Krise verhelfen. Darüber hinaus soll die Zahl der Flughäfen in Italien rationalisiert werden. Auch eine Neuverteilung der Flüge zwischen den Mailänder Flughäfen Linate und Malpensa ist im Rahmen des Dekrets vorgesehen.

Verluste

Der italienische Arbeitsminister Roberto Maroni hofft, dass das Dekret kommende Woche verabschieden wird. "Bis nächste Woche werden wir wissen, bis wohin die Regierung dem Flugverkehr helfen kann, ohne auf Brüssels Veto zu stoßen", meinte der Minister.

Alitalia schreibt derzeit pro Monat Verluste in Höhe von 36 Mio. Euro. Vor zwei Wochen hatte Alitalia mitgeteilt, dass die Gesellschaft schon 2003 510 Mio. Euro Verluste hinnehmen musste. Maroni hatte vergangene Woche vor einem drohenden Konkurs der Airline gewarnt. Das Unternehmen hat 1,44 Mrd. Euro Schulden. Der italienische Staat hält noch einen 62-Prozent-Anteil an der Fluggesellschaft, die alleine in den vergangenen Tagen 80 Mio. Euro ihres Börsenwerts eingebüßt hat.(APA)

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