"auawirleben"

21. April 2004, 19:35
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22. Zeitgenössisches Theatertreffen in Bern

Bern - Unter dem Motto "Liebe Kriegen" steht das 22. zeitgenössische Theatertreffen "auawirleben" in Bern (20. April bis 2. Mai). Gezeigt werden elf Produktionen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Kanada, fast durchwegs Gastspiele von Uraufführungen.

"Klima CH-D", das in Bern seine Uraufführung erlebt, untersucht das zwiespältige Verhältnis zwischen den Eidgenossen und ihren nördlichen Nachbarn. Mit "Wir bombardieren Barn" des amerikanischen "Catch 22"-Autors Joseph Heller (1923-99) gelangt eine "krasse Satire über die absurde Logik des Krieges" zur Schweizer Erstaufführung. Die Diplominszenierung der Berner Hochschule der Künstler stützt sich auf eine aktualisierte Neubearbeitung von "Bombed in New Haven" aus dem Jahr 1967.

Begehrte Produktion

Mit "Wilde- Der Mann mit den traurigen Augen" haben die Veranstalter sogar eine ans Berliner Theatertreffen geladene Produktion verpflichten können. Die von Starregisseur Sebastian Nübling inszenierte deutsch- österreichische Koproduktion handelt von einem Arzt, der auf der Rückkehr aus einem exotischen Krisengebiet in die nicht minder gefährliche deutsche Provinz gerät. Verfasst hat es der am Bielersee wohnende Wiener Händl Klaus.

Mit der Gruppe 400asa (Expo.02-"Affentheater") kommt auch die derzeit am meisten versprechende freie Truppe der Schweiz. Sie zeigt "Hob(b)yhamlet. Teil Zwei. Wie es uns gefällt", ein "kulturpolitischer Kneipen-Hamlet, dargestellt von krisengebeutelten ungeliebten Kulturschaffenden".

US-Außenpolitik, satirisch gesehen

Die österreichische Roadshow "W.E.A.P.O.N - The Way To War" kommt mit einer Satire zur US-Außenpolitik. Mit der Materie verwandt ist in doppelter Hinsicht "Vaterlos", eine Koproduktion von fünf deutschen Theatern und dem Wiener Burgtheater. Hier wird aus einem ungeliebten Kind ein glaubensbeseelter Selbstmordattentäter.

Vaterlandsliebe ist Gegenstand des performativen Museumsbesuchs "Patrioten im Herzen" des deutschen Theaters ASPIK: Im Historischen Museum Bern graben sieben Museumswächter verschüttete Erinnerungen und vergessene Phantasien aus. In "Das Begräbnis" schließlich überbieten sich Trauergäste aus beiden Teilen Deutschlands mit postumen Liebesbekundungen über den Verblichenen.

Schwule Kultur

Wirklich um Liebe geht es fast nur in der Einfraushow "Jimmy, creature de reve" der Kanadierin Marie Brassard: Hier wartet der von einem Sterbenden erträumte homosexuelle Coiffeur Jimmy 50 Jahre lang, bis er von einer anderen Träumenden aus dem Nirgendwo erlöst wird. Und ganz sicher im Eröffnungskonzert, das von Berlins bekanntester Diseuse Georgette Dee (in Österreich bei "Wien ist andresrum" zu Gast) bestritten wird. (APA/sda)

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