Teures Wohnen im Big Apple

21. April 2004, 15:38
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Immobilienpreise in Manhattan schießen in den Himmel - Im ersten Quartal auf knapp eine Million Dollar

New York - Die nach den Terroranschlägen vom September 2001 erwartete Abkühlung des New Yorker Immobilienbooms bleibt für New Yorker Wohnungssuchende ein frommer Wunsch: Im ersten Quartal 2004 stieg der Durchschnittspreis eines Apartments in fast allen Teilen Manhattans auf 998.905 Dollar. Der bisherige Rekord von 919.959 Dollar wurde im dritten Quartal des vergangenen Jahres erreicht.

Wohnungskäufer waren fest davon überzeugt, dass die Immobilienblase jederzeit platzen werde. Jedoch das Gegenteil war der Fall, stellte die Firma Miller Samuel fest: sie hat für den Wohnungsvermittler Douglas Elliman Manhattan Market Overview eine Bewertung angefertigt. Danach kletterte der Preis sämtlicher Wohnungen in Manhattan, einschließlich des Stadtteiles Harlem, im ersten Quartal auf 625.000 Dollar, ein Anstieg von 21 Prozent gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode. Auch das war ein Allzeithoch.

Über eine Million

Die Corcoran Group, eine der führenden Immobiliengesellschaften in den USA, hat einen noch höheren Preis ermittelt. Einer Corcoran-Erhebung zu Folge haben Apartmentpreise die psychologische Barriere von einer Million Dollar im ersten Quartal übersprungen: Sie stiegen gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent auf 1,001.000 Dollar. Den Spitzenpreis von 45 Mio. Dollar erzielte im Sommer 2003 eine Dachwohnung im neuen Time Warner Center am Columbus Circle mit Blick auf den Central Park.

Dottie Herman, Präsidentin der Immobilienfirma Prudential Douglas Elliman Real Estate, begründet den Boom ausschließlich mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. "Das Angebot fehlt", sagte Herman. Nach der Market-Overview-Studie ist die Zahl zum Verkauf ausgeschriebener Wohnungen im ersten Quartal um 32 Prozent auf 4.299 Wohnungen gefallen.

Mangel an Wohnungen

Der Mangel an Wohnungen hat zum Leidwesen der Käufer einen regelrechten Bieterkrieg ausgelöst. So glaubte eine aus Kalifornien nach New York übergesiedelte Redeschreiberin für eine Million Dollar eine geräumige Wohnung mit zwei Schlafzimmern ergattern zu können. Die Realität sieht anders aus. Nicht nur musste sie ihr Angebot auf 1,8 Millionen Dollar erhöhen, sondern auch ihre Ansprüche einschränken. "Als ich zum ersten Mal meinen Makler aufsuchte, stand auf meiner Wunschliste eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, viel Licht, Einbauschränken und ein Fenster in der Küche. Ich stellte jedoch schnell fest, dass ich dafür drei bis vier Milionen Dollar brauchte", sagte sie der "New York Times" gegenüber.

Mit ein Grund für den Boom sind niedrige Hypothekenzinsen, die auf einem Rekordtief stehen. Experten rechnen vor diesem Sommer mit keinen Zinserhöhungen. Danach könnte die Wende kommen. "Die größte Gefahr für den Immobilienmarkt sind steigende Zinsen", sagte Wirtschaftsprofessor Karl E. Case vom Wellesley College. An einen Kollaps der Wohnungspreise glaubt er jedoch deshalb nicht, weil die Menschen mehr Vertrauen hätten in Immobilien als in Aktien und Anleihen. Pamela Liebman, Chefin der Corcoran Group, glaubt sogar, dass Zinssenkungen die Wohnungspreise zunächst weiter anheben würden. Liebman: "Sobald die Zinsen steigen, kommen die Käufer in noch größeren Scharen, weil sie fürchten, dass der Anstieg weitergeht". (APA)

  • Im ersten Quartal 2004
stieg der Durchschnittspreis eines Apartments in fast allen Teilen
Manhattans auf 998.905 Dollar. Der bisherige Rekord von 919.959
Dollar wurde im dritten Quartal des vergangenen Jahres erreicht
    foto: epa/lane

    Im ersten Quartal 2004 stieg der Durchschnittspreis eines Apartments in fast allen Teilen Manhattans auf 998.905 Dollar. Der bisherige Rekord von 919.959 Dollar wurde im dritten Quartal des vergangenen Jahres erreicht

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