"Blick auf Österreich"

20. April 2004, 20:07
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Kostproben von Inge Moraths Fotos werden in Washington gezeigt: Große Ausstellung für 2005 in Vorbereitung

Washington - Obwohl die vor zwei Jahren verstorbene Fotografin Inge Morath den weitaus größten Teil ihres Lebens nicht in Österreich verbrachte, sondern in den USA lebte, richtete die in Graz geborene Künstlerin immer wieder ihre Kamera auch auf ihre ursprüngliche Heimat. Moraths Fotos mit "Blick auf Österreich" werden jetzt erstmals von ihren Kuratoren zusammengestellt und sollen im Herbst 2005 gezeigt werden. Bei einer Donnerstag Abend in der österreichischen Botschaft in Washington von Botschafterin Eva Nowotny eröffneten Ausstellung sind bereits einige dieser Fotografien von Inge Morath zu sehen.

Bei Alltagsszenen aus den 50-er und 60-er Jahren zeigt sich Moraths genauer Blick für Details. Sie war Fotografin der renommierten Agentur Magnum und Kollegin des legendären Henri Cartier-Bresson. Durch die Motivwahl und eine gewisse Distanziertheit wirken die meisten Schwarzweiß-Darstellungen recht trist, auch die abgebildeten Wiener Originale wie der Fiaker-Kutscher, der Oberkellner oder die Kaffeehausbesucherin scheinen die melancholische Grundstimmung des Nachkriegswiens widerzuspiegeln.

Künstler-Porträts

Porträts bekannter Künstler wie etwa der Schauspielerin Erika Pluhar, des Autors Hans Weigel und des Bildhauers Fritz Wotruba sind typisch für einen weiteren Schwerpunkt im Schaffen von Inge Morath: Oft hatte sie bei ihren Reisen Künstler extra aufgesucht um sie zu fotografieren, auch viele ihrer Freunde aus der Kunstszene wurden von ihr, meist in vertrauter Umgebung, abgelichtet. Die Dichterin Honor Moore, die mit Morath in enger Freundschaft verbunden war, gestaltete die Ausstellungseröffnung mit einer Lesung und persönlichen Rückblicken.

Moraths Österreich-Fotografien von 1954 bis 2001 sollen als Buch erscheinen und im Herbst 2005 in Österreich in einer Werkschau gezeigt werden, kündigte der langjährige Kurator der Künstlerin, Kurt Kaindl, gegenüber der APA an. Arbeitstitel des Projekts über die mit dem Österreichischen Staatspreis für Fotografie ausgezeichnete Künstlerin ist "Inge Morath Austria". Dabei stellt sich dem Kuratorenteam Kaindl und Brigitte Blüml keine leichte Aufgabe, denn viele der Österreich-Bilder existieren nur als Negative, oft ohne exakte Beschreibung des fotografierten Ortes.

Biographisches

Morath war seit 1962 in zweiter Ehe mit dem amerikanischen Schriftsteller Arthur Miller verheiratet, dessen Ehe mit Filmstar Marilyn Monroe kurz zuvor zerbrochen war. Kennen gelernt hatten sich Morath und Miller 1960 bei den Dreharbeiten zu "Misfits", wo sie ihn und seine damalige Frau fotografierte. Die Verbindung des Künstlerpaars, der österreichischen Fotografin und des amerikanischen Dramatikers, hielt 40 Jahre bis zum Tod Inge Moraths im Jänner 2002.(APA)

"Inge Morath, Austrian Photographs"
Österreichische Botschaft. 3524 International Court, Washington, USA; bis 10. Juni

LinkThe Estate of Inge Morath

Nachlese

"Dieser Landstrich war in ihrem Blut"
  • Artikelbild
    foto: ingemorath.org/
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