Rom befürchtet Geiselhinrichtungen in 48-Stunden-Rhythmus

16. April 2004, 19:34
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Berlusconi verlangt "sofortige und bedingungslose Befreiung" der im Irak entführten Italiener

Rom - Nach der Exekution des 37-jährigen Fabrizio Quattrocchi am Mittwoch im Irak befürchtet das römische Außenministerium, dass alle 48 Stunden einer der anderen drei Mitgefangenen von den irakischen Aufständischen hingerichtet werden könnte. Laut Informationen des Außenministeriums seien die Entführer entschlossen, alle zwei Tage einen Italiener zu erschießen, sollte sich die Regierung Berlusconi nicht zum sofortigem Abzug ihrer im Irak stationierten Truppen entschließen, berichteten italienische Medien am Freitag. Die Information konnte jedoch nicht bestätigt werden.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi forderte am Donnerstagabend die "sofortige und bedingungslose Befreiung" der drei Italiener, die seit Montag vermisst werden. "Der Regierungschef hat den Familienangehörigen der Geiseln versprochen, sich für die sofortige Befreiung einzusetzen", hieß es in einer Presseaussendung am Ende eines Treffens zwischen dem Ministerpräsidenten und der Politikwissenschaftlerin Barbara Contini, die seit Februar Zivilverwalterin der südirakischen Provinz Tikar ist.

Kontakte knüpfen

Continis Kenntnisse der irakischen Situation gelten als besonders wichtig, um Kontakte zu knüpfen, die zur Befreiung der drei italienischen Geiseln führen können, berichtete Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti. Am Treffen beteiligten sich auch der italienische Außenminister Franco Frattini und Verteidigungsminister Antonio Martino.

Berlusconis außenpolitischer Berater, Gianni Castellaneta, befindet sich in Doha, wo er verschiedene Vertreter moslemischer Behörden getroffen hat. Danach soll er nach Teheran weiterreisen. Der vatikanische Nuntius im Irak, Fernando Filoni, und der Bischof von Bagdad, Shlemon Warduni, erklärten, dass die Kirche bereit sei, sich für die Befreiung der Geiseln einzusetzen. Der italienische Botschafter in Bagdad, Gianludovico De Martino, nahm Kontakte zu den Lokalbehörden in Falluja auf.

Die Familienangehörigen der Geiseln riefen den italienischen Staat auf, mit den Entführern zu verhandeln. "Die Regierung muss etwas unternehmen. Sie haben bereits eine Geisel ermordet, sie werden auch alle andere hinrichten. Wenn alle tot sein werden, wird Italien sich vielleicht endlich zum Truppenabzug entscheiden", betonte Angelo Stefio, Vater des entführten Bodyguards Salvatore Stefio. (APA)

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