Schönfelder positiv auf Doping getestet

23. April 2004, 10:46
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Slalom-Weltcup-Sieger nahm das Grippemittel Influbene, war allerdings "überzeugt, etwas Harm­loses zu verwenden"

Wien - Im österreichischen Skisport gibt es einen Dopingfall: In einem bei Rainer Schönfelder nach den Slalom-Staatsmeisterschaften am 27. März vorgenommenen Test wurde die verbotene Substanz Etilefrin nachgewiesen, die stimulierende Wirkung hat. Der Kärntner Skirennläufer ging von sich aus an die Öffentlichkeit und erklärte am Freitag in einer Aussendung, er habe wegen einer schweren Verkühlung in gutem Glauben Influbene-Tabletten eingenommen, weil diese auf einer Liste erlaubter Medikamente aufgeschienen seien. Über das Strafmaß entscheidet der Disziplinar-Ausschuss des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV).

Der Slalom-Weltcupsieger wollte trotz seiner Krankheitssymptome der Startverpflichtung bei den ÖSV-Titelkämpfen auf der Gerlitzen nachkommen. Weil er den zuständigen ÖSV-Teamarzt telefonisch nicht erreichte, verließ er sich auf eine offizielle Broschüre von Swiss Olympic des Jahres 2003, in der Influbene C als unbedenklich angeführt war. "Leider habe ich übersehen, dass es verschiedene Influbene-Medikamente gibt und ausgerechnet das bei uns handelsübliche Präparat enthält Etilefrin. Ich hoffe, dass jedem klar ist, dass hier eine Verwechslung vorliegt. Doping war, ist und bleibt für mich tabu", betonte Schönfelder.

Sponsorpartner signalisieren Vertrauen

Niemand könne glauben, dass er im letzten Rennen des Winters, in dem es um nichts mehr gegangen sei, bewusst verbotene Substanzen einnehmen würde, meinte der beste Slalomläufer der Saison, der im Weltcup mehrfach negativ getestet worden war. "Ich hoffe, dass das auch in den Gremien, die nun für die Beurteilung zuständig sind, so gesehen wird." Seine Sponsorpartner, die Schönfelder sofort informiert hat, haben Vertrauen signalisiert.

Das Strafmaß beträgt nach dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zwei Jahre, bei Vorliegen bestimmter Umstände ist jedoch eine Reduzierung auf drei Monate bzw. ein Freispruch möglich. "Nach den Reglements ist der ÖSV in diesem Fall zuständig, es werden die Bestimmungen der FIS angewandt", sagte ÖSV-Geschäftsführer Klaus Leistner. Vor einer Anhörung des Athleten dürfe der Verband keine Stellungnahme abgeben. Leistner erwartet eine Entscheidung des dreiköpfigen, aus Juristen zusammengesetzten Disziplinarausschusses nicht vor Monatsende.

Karlheinz Demel, der Chef des Österreichischen Anti-Doping-Komitees (ÖADC), hatte die Kontrolle auf der Gerlitzen am drittplatzierten Schönfelder selbst vorgenommen. Er bestätigte der APA, dass der Athlet vor dem Test die Einnahme des Medikaments Influbene C angegeben habe und fand dieses Produkt im Nachhinein auch selbst auf der Schweizer Liste als unbedenklich eingestuft.

Ähnlichkeit mit Fall Baxter

Der "Fall" Schönfelder ähnelt jenem des Slalom-Spezialisten Alain Baxter. Der Schotte hatte vor den Olympischen Spielen in Salt Lake City in den USA Nasentropfen jenes Namens gekauft, wie er sie auch in Europa bei Erkältungen benützt hatte, die aber einen verbotenen Wirkstoff enthielten. Baxter, der mit seiner Klage auch vor dem obersten Sportgericht in Lausanne kein Gehör fand, verlor Slalom-Bronze an den Tiroler Benjamin Raich.(APA)

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    Rainer Schönfelder, Slalom-Weltcup-Sieger und immer gut drauf.

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