Fischer anfangs unsicher, Ferrero mit Hängern

16. April 2004, 16:53
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Politologe und Meinungsforscher: Beide Kandidaten konnten Botschaften platzieren

Wien - Der Politologe Anton Pelinka und der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) attestierten SPÖ-Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer nach dem TV-Duell mit ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner am Donnerstag Abend Unsicherheiten im ersten Teil der Diskussion. Dafür habe die ÖVP-Kandidatin immer wieder zwischendurch Hänger gehabt. Fazit des Politologen Fritz Plasser: Beide Kandidaten hätten es geschafft, Botschaften zu platzieren.

Zu Fischers Start-Problemen meinte Pelinka in der "ZiB 2": "Überraschend war, dass Fischer am Beginn etwas unsicher gewirkt hat, das hat sich aber im Lauf der Debatte gegeben." "In der ersten Hälfte ist Heinz Fischer untergegangen, ist dann aber immer besser geworden", so Bachmayer im Gespräch mit der APA. Bachmayers Resümee zu diesem Punkt: "Im Hinblick auf die Ausgangserwartung hat sich Ferrero-Waldner besser geschlagen und Fischer schlechter."

Zu den angesprochenen Zielgruppen meinte Pelinka, Ferrero-Waldner habe sich vor allem an die Jungen gewandt, Fischer wiederum sehr stark das Thema soziale Sicherheit und das Festhalten an der Neutralität hervorgehoben. Das sei aber schon alles bekannt gewesen. Stärker als bisher im Wahlkampf habe Fischer dagegen herausgestrichen, dass es angesichts eines ÖVP-Kanzlers und -Nationalratspräsidenten einen Bundespräsidenten brauche, der nicht aus der ÖVP komme.

Bachmayer sagte, dass Fischer allerdings etwa das Thema Neutralität noch besser hätte ausschlachten könnten. Dafür habe der SPÖ-Kandidat beim Thema EU-Sanktionen "gut pariert". Allerdings: "Sein Problem ist, dass er zu wenig emotional sein kann." Zu Ferrero-Waldner meinte der OGM-Meinungsforscher: es könnte sein, dass die zeitweilige klare Angriffigkeit bei den einfacheren Menschen schon als zu bissig empfunden wurde.

Ob die Konfrontation ausschlaggebend für die Wahl am 25. April war, wollten die Experten nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Plasser betonte, die Wahl sei heute nicht entschieden worden, aber nun stehe zu 90 Prozent fest, wer Präsident werde. Sowohl Pelinka als auch Bachmayer meinten, sollten die beiden Kandidaten derzeit in der Wählergunst wirklich Kopf an Kopf liegen, könnte die Debatte entscheidend gewesen sein. (APA)

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