Aids-Erreger als Waffe gegen Krankheiten im Gespräch

20. April 2004, 15:49
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Veränderte Viren als "Gen-Fähren"

Frankfurt/Main - Ausgerechnet mit Hilfe des gefährlichen Aids-Erregers wollen Mediziner die Gentherapie beim Menschen voranbringen. Nach Rückschlägen gibt es nun erste Erfolge. Das war der Tenor einer Konferenz zum Thema "Gentherapie am Wendepunkt?" beim Paul-Ehrlich-Institut im südhessischen Langen am Donnerstag. Hoffnung setzen die Teilnehmer aus aller Welt auf umgebaute Aids-Viren, mit deren Hilfe Gene in Zellen eingeschleust werden.

"Mit der dritten Generation solcher "Gen-Taxis" (Vektoren, "Gen-Fähren") können wir Gene direkt ins Gehirn, Leber, Muskeln, Blutstammzellen und neuerdings sogar in bestimmte Krebszellen einschleusen", berichtete Inder Verma (La Jolla/Kalifornien) von der American Cancer Society. Eingeschleust werden zum Beispiel Gene, die die Ausbreitung von Tumorzellen unterdrücken oder sie sogar zerstören können. Erste klinische Tests laufen in den USA mit HIV-Patienten. "Das ist wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", interpretierte jedoch ein Konferenz- Teilnehmer.

2002 wurden in Frankreich Versuche mit einer Gentherapie für Kinder abgebrochen, die an einer seltenen Immunschwäche-Krankheit leiden und in einer sterilen Hülle leben müssen. Zwei der Kinder waren an Blutkrebs erkrankt. (APA/dpa)

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