Asyl, Suchtgift und mysteriöse Vorgänge

16. April 2004, 21:59
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Die Beherbergung Notleidender zählt nicht zu den Stärken Österreichs - eine Gerichtsgeschichte von Daniel Glattauer

Wien - Die Beherbergung Notleidender zählt nicht zu den Stärken Österreichs. Neue Heime müssen erst einmal gefunden werden, alte kommen aus den Schlagzeilen nicht heraus. Die Leiterin eines Hernalser Integrationshauses muss mit dem Vorwurf leben, das Heim sei "Zentrum und Drehscheibe schwungvollen Drogenhandels" und sie selbst sei "nicht gewillt, dagegen etwas zu unternehmen". Das behauptete die freiheitliche Bezirksvorsteher-Stellvertreterin vor einem Jahr im Internet. - Ungestraft. Der Prozess wegen übler Nachrede endete mit einem Freispruch.

Funde

"Nie hätte ich Drogen zugelassen!", beteuert Privatklägerin Vera Dornhackl noch einmal vehement. Und in ihren "Lügner"-Zwischenrufen bei Zeugenaussagen ist sie unbezwingbar. "Wenn Sie nicht sofort still sind, verlassen Sie den Saal!", droht die Richterin alle paar Minuten. "Wenn ich nix reden darf, kann ja jeder sagen, was er will", kontert die Heimleiterin.

Bei der Polizei ist man sich einig, dass das Haus etwas mit Suchtgift zu tun hatte. Bei Razzien gab es prächtige Funde (einmal fast 500 Gramm Kokain und Heroin) und reichlich Festnahmen. In der Umgebung mehrten sich die Beschwerden der Anrainer. Wieso? - "Weil der Drogenhandel auf der Straße von den Schwarzen vollzogen wird und Schwarze für die Bevölkerung relativ gut ersichtlich sind", sagt ein Exekutivbeamter.

Mysteriöse Vorgänge

Rentner Hans S., der ein Jahr im Heim verbracht hatte, erinnert sich an mysteriöse Vorgänge in der Küche. "Da ham's was auf'kocht, die Schwarzafrikaner." Was? - "A Supp'n oder Haschisch oder was weiß der Teufel. I kenn ja des Klumpert net."

Vor einer Razzia soll die Leiterin durch die Gänge geschrien haben: "Schlüssel her, Polizei ist da!" Das sei "nicht sehr hilfreich" gewesen, meint ein Beamter. "Ich wollte nicht, dass die wieder die Türen eintreten", erklärt die Klägerin: "Ich hab' einen Monat gebraucht, um meine psychisch Kranken zu beruhigen." (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 16.4.2004)

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