Das Eck vom Steffl wird rosa und süß

20. April 2004, 20:39
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Was ist Wien? Der Stephansdom, ein Fiaker und ein rosa Schnittenpackerl

Was ist Wien? Der Stephansdom, ein Fiaker und ein rosa Schnittenpackerl. Und weil die drei zusammengehören, wird der Schnittenhersteller Manner im Juni ein Geschäft neben dem Dom eröffnen. Gleich nebenan hatte auch die Geschichte des Schnittenimperiums begonnen.

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Wien - Die Geschichte des Vorgängers könnte als "So nicht"-Beispiel Einzug in Lehrbücher für Werbeprofis finden. Schließlich kann sich niemand mehr an das "Sancta Crux" erinnern. Und das, obwohl der Laden nicht nur an der Ecke Stephansplatz/Rotenturmstraße alles andere als versteckt war, sondern - das hat Otto Riedl mittlerweile herausgefunden - "zu Weihnachten auch den besten Karpfen der Stadt angeboten hat. Das war aber kein Geheimtipp, sondern geheim."

Outlet direkt am Stephansplatz

Riedl ist unschlüssig, ob er über diese Marketing-Unfähigkeit des Geschäftes, das doch eigentlich die Ware von 40 Klöstern unters Volk bringen wollte, wirklich unglücklich sein soll: "Wenn die nicht zugesperrt hätten, könnten wir im Juni nicht aufsperren." Und ein Outlet direkt am Stephansplatz, so der Marketingleiter des Schnitten- und Schokoladenriesen "Manner", sei mit das Schönste, was sich der Betrieb, der den Steffl doch seit 1889 als geschütztes Markenzeichen führe, wünschen könne.

Immerhin, blättert Riedl in der Firmenchronik, habe Firmengründer Josef Manner ja bis 1892 ein paar Häuser weiter (Stephansplatz 6) verkauft. Bis er - unzufrieden mit der gelieferten Ware - beschloss, eigene Produkte zu schaffen: "Wir kehren zu unseren Ursprüngen zurück."

"Manner am Stephansplatz" so wie "Meinl am Graben"

Freilich: Auch wenn das rund 80 m² große "Manner am Stephansplatz" ("so wie Meinl am Graben", Riedl) in dem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert fast danach rufe, ein "Geschäft wie zu Uromas Zeiten" hineinzustellen, wird Manner der Versuchung widerstehen: "Wir haben Tradition und bauen sie deshalb nicht künstlich wo hinein. Wir wollen keinen Manner-Disney-Store", erklärt Riedl. Und verweist (natürlich ohne sich auf Namen von Kaffeehäusern, Museen oder Geschäften festlegen zu lassen) auf die "zahlreichen überrestaurierten" Orte in der Stadt, bei denen das "sehr daneben" gegangen sei. Den Manner-Shop wird das Architektenteam BEHF (u.a. für das Restaurant "Fabio's" verantwortlich) gestalten. "In Übereinstimmung mit dem Denkmalschutz, aber doch modern und zeitgemäß."

Ideale Werbelage

Dass neben der Firmengeschichte und der Affinität zum Dom (Manner bezahlt seit 27 Jahren das Gehalt eines Dom-Steinmetzes) auch die Lage die Platzwahl bestimmt hat, ist klar: "Auf jedem Touristenfoto vom Dom ist dieses Hauseck zu sehen."

Und das eigene Markenlogo mit Wiens Wahrzeichen in die Welt zu tragen, ohne Touristen und Wiener zu vergraulen, sei allemal die "bessere Option": Manner war unter den ersten Unternehmen, denen angeboten wurde, auf den heftig umstrittenen (und demnächst zumindest ein wenig dezenter werdenden) Transparenten am Südturm zu werben: "Wir haben das Ansinnen, uns an der Verhüllung des Turmes zu beteiligen, sofort abgelehnt. Das ist uns zu marktschreierisch. Ganz abgesehen davon, dass es einfach nicht schön aussieht." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 16.4.2004)

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