Patriarch mit Gefühl und guten Beziehungen

19. April 2004, 09:25
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José Bono ist der neue Chef in Spaniens Verteidigungsministerium

Aus Rivalen werden Freunde. Oder: Zwei Gegner sind gezwungen, einander zu verstehen. - Beide Feststellungen werden der Beziehung des neuen spanischen Regierungschefs José Luis Rodríguez Zapatero zu seinem Verteidigungsminister José Bono gerecht. Der 53-jährige Bono trat einst auf dem 35. Parteikongress der sozialistischen PSOE als Kandidat für den Parteivorsitz an. Der Mann aus der Mancha, der Heimat von Don Quijote, hatte die Unterstützung von Expremier Felipe González. Einer seiner Gegenkandidaten war Zapatero - ein junger Abgeordneter, der es nicht einmal in seinem eigenen Wahlkreis zum Direktkandidaten gebracht hatte.

Das Rennen schien gelaufen, bevor der Startschuss fiel. Dessen waren sich alle sicher. Dann kam die Überraschung: Zapatero gewann mit neun Stimmen Vorsprung. Jetzt, keine vier Jahre später, ist Zapatero auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wieder gewann er überraschend eine Wahl, diesmal die für das Parlament.

Und als ersten Minister berief er José Bono in seine Regierung. Innere Sicherheit war ihm zugedacht. Doch Bono überlegte nicht lange und verlangte das Verteidigungsministerium. Als neuer Minister der Streitkräfte muss der Jurist Zapateros wichtigstes Wahlversprechen umsetzen - er soll in den nächsten Wochen den Soldaten den Befehl zum Abzug aus dem Irak geben.

Bono, Sohn eines frankistischen Bürgermeisters, regiert seit 21 Jahren mit absoluter Mehrheit in seiner Heimatregion, Castilla - La Mancha. Er verstand es, die arme Gegend von Grund auf zu modernisieren. In einer Region, in der bei Parlamentswahlen nicht die Sozialisten, sondern die Konservativen gewinnen, geht dies nur mit viel Fingerspitzengefühl. Bono hat es.

Der gläubige Katholik unterhält gute Beziehungen zu allen Bevölkerungsschichten. Er hat in seiner Amtszeit mehr als 900 Dörfer besucht. Dem Vater von vier Kindern wird nachgesagt, dass er keinen Ort zweimal besucht, ohne die Nachbarn beim Namen anzusprechen und nach ihren kleinen Sorgen und Nöten zu fragen, die sie ihm beim ersten Besuch vortrugen. Bono ist ganz Patriarch. Der rechte Sozialdemokrat ist auch beim politischen Gegner hoch angesehen. Kein sozialistischer Politiker hat so gute Kontakte zu konservativen Landesvätern oder zu mächtigen Bischöfen.

Auch innenpolitisch wiegt Bono schwer. Er ist einer der entschiedensten Verfechter der nationalen Einheit Spaniens. Immer wieder argumentiert er gegen Sonderrechte für die von Nationalisten regierten Regionen. Er wird seine Stimme in nächster Zeit mehr als einmal erheben müssen. Denn Basken und Katalanen wollen die sozialistische Minderheitsregierung Zapateros dazu bewegen, neue weitreichendere Autonomiestatute zuzulassen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2004)

Von Reiner Wandler
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    foto: epa photo efe/--/et/bw
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