Die Wahlkampfteams verschärfen den Ton

24. April 2004, 12:16
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Böse Briefe, Schlafwägen und Frühaufsteher

Die ÖVP eröffnete am Donnerstag das Feld für härtere Angriffe. In einem von der VP-Presseabteilung veröffentlichten Brief signiert mit "Uni-Professor Bernd Schilcher" beschuldigt dieser den SP-Kandidaten, bereits bei einem Zusammentreffen in der Vergangenheit "zwischen hüben und drüben" unterschieden zu haben. Er könne sich Fischer als "Wahrer der Objektivität" "nur schwer vorstellen", heißt es dort weiters.

VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka unterstellte Fischers Team, sich zu Beginn des Wahlkampfes zu sicher gefühlt zu haben. Sonst wäre es "nicht dem Irrtum erlegen, mit dem Schlafwagon in die Hofburg rollen zu können", meinte der Generalsekretär in Anspielung auf die geplante Österreich-Tour Fischers per Eisenbahn in den letzten drei Wahlkampftagen.

Und auch am Tag nach dem endgültigen Aus für den leidigen Süßigkeitenstreit schloss Lopatka ein neuerliches Anrufen des Wahlkampf-Schiedsgerichtes nicht aus. Laut seinen Angaben werde die SPÖ kommende Woche die vereinbarte Kostenobergrenze für Inserate und Plakate überschreiten. Die ÖVP plant, auf Einhaltung des Fairnessabkommens zu pochen.

Die VP-Polemik könne "nicht darüber hinwegtäuschen", dass Ferrero "nicht die Wunschkandidatin der ÖVP war und auch zehn Tage vor der Wahl ihre Beliebtheitswerte selbst in ÖVP-Reihen äußerst schwach sind", wehrte Fischers Wahlkampfmanager, SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos, alle gegnerischen Angriffe ab.

Heute, Freitag, bekommt die VP-Kandidatin jedenfalls Unterstützung von ihren Regierungskollegen. Im Sinne von "Wir für Benita" rückt etwa Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bereits um halb fünf Uhr morgens aus, um für Ferrero am Großgrünmarkt Inzersdorf zu werben. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer zieht es zwecks "Benita-Promotion" zu einem Wiener Eissalon und Innenminister Ernst Strasser verteilt ab neun Flyer am Reumannplatz.

Im Vorfeld des TV-Endspurts in Richtung Hofburg warben die Lager beider Präsidentschaftskandidaten am Donnerstag ein wiederholtes Mal für ihren Favoriten. ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka rechnete zwar mit keiner Überraschung bei der abendlichen Fernsehkonfrontation, aber für manchen Zuseher könnte sich noch einmal zeigen, "um wie vieles Benita Ferrero-Waldner frischer als Fischer ist".

Auf Überraschungen wollte man sich auch im SPÖ-Lager nicht einlassen. Auf seiner Homepage kündigte Heinz Fischer an, er wolle vor allem bei den Themen Neutralität, Soziales und Jugendarbeitslosigkeit die Unterschiede zur VP-Konkurrentin betonen.

Darabos erklärte: "Ferrero-Waldner wird Farbe bekennen müssen." Und das von einem, dessen Spitzenkandidat immer wieder mit dem Vorwurf der "Farblosigkeit" konfrontiert wurde. (kmo/DER STANDARD, Print-Ausgabe 16.4.2004)

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