Ratschläge von Medientrainern vor dem Duell: "Nicht inhaltlich, aber emotional ausweichen"

15. April 2004, 22:12
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Unterschiedlicher hätten die zwei Gegenspieler beim TV-Duell zur Präsidentschaftswahl nicht sein können: Heinz Fischer introvertiert, Benita Ferrero-Waldner extrovertiert

Wien - Das Setting ist eines der maximalen Gegensätze: "Introvertierter Mann" trifft auf "extrovertierte Frau" - und ein "Respekt einflößender, unberechenbarer" Moderator, der "gern einen Schritt zu weit geht". So umreißt Medientrainer Stefan Wagner von intoMedia die Szenerie des TV-Duells.

Wagner, Experte für "mediale Kampfrhetorik und Interviewstrategie", hätte als Coach für den TV-Auftritt die "Kaffeehausszene" geübt: "Immer daran denken, dass am Nebentisch Leute sitzen und das Gespräch mitbekommen" - und das sind die Zuschauer. Also "nicht inhaltlich, aber emotional ausweichen".

Auf der linken Bildschirmseite, der "Innovations- oder Angriffsseite", wäre der zurückhaltende Fischer "gut aufgehoben", weil sie "spannender" mache. Die rechte "Experten- und Sachverstandsseite" würde auf Ferrero "beruhigend" wirken, so Wagner.

"Äußerst mediengeschulte Personen" sah auch Coach Claudia Daeubner von Success&Career International. Die Lehrmeinung lautet: Hände nur sparsam bewegen, da sie sehr viel verraten. "Das wollen sie natürlich nicht", erklärt Daeubner. Allerdings fallen so auch positive Körpersignale weg. Mit bewusst gesteuerten - also einstudierten - Gesten wirkt man dem entgegen.

Geschlechtsspezifisch gibt es nur eine Auffälligkeit, sagt die Spezialistin: die "männliche Nachdenkgeste" - wenn Mann sich ans Kinn fährt. Allerdings übernehmen Frauen, die lange in "Männerwelten" leben, diese Handlungsweise.

Internationalen Studien zufolge reagieren Menschen zu 55 Prozent auf nonverbale Signale (Mimik, Gestik), zu 38 Prozent auf Tonfall, Sprechtempo, -volumen und nur zu sieben Prozent auf den Inhalt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2004)

Von Lisa Nimmervoll und Peter Mayr
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