Stichwahl in Mazedonien: Albaner im Blick

17. April 2004, 13:34
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Premier Crvenkovski verfehlt in erster Runde der Präsidentschaftswahlen die absolute Mehrheit

Der mazedonische Ministerpräsident Branko Crvenkovski hat in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die absolute Mehrheit verfehlt. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag der Kandidat des regierenden Sozialdemokratischen Bundes (SDSM) mit 42,5 Prozent vor seinem schärfsten Rivalen, Sasko Kedev, von der nationalistischen VMRO-DPMNE, der 34 Prozent erzielte. Die Wahlbeteiligung betrug nur 55 Prozent.

Der Wahlgang wurde notwendig, weil der bisherige Präsident, Boris Trajkovski, Ende Februar bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Trotz einiger Zwischenfälle bezeichnete der Leiter der OSZE-Wahlbeobachter, Friedrich Bauer, den Urnengang als Zeichen "für die Fortschritte, die die Zivilgesellschaft in Mazedonien gemacht hat".

Ehemalige Kämpfer

Am 28. April findet die Stichwahl zwischen dem 41-jährigen Crvenkovski und dem gleichaltrigen Kedev statt. Dabei könnte die auf ein Viertel der rund zwei Millionen Einwohner Mazedoniens geschätzte albanische Minderheit den Ausschlag geben. Für sie traten zwei Kandidaten in der ersten Runde an. Gezim Ostreni, Koalitionspartner Crvenkovskis, erreichte 14,8 Prozent, Zidi Xhelili, Kandidat der oppositionellen Albanischen Demokratischen Partei (DPA), kam auf 8,6 Prozent. Beide kämpften während des Kleinkrieges zwischen Regierungstruppen und der albanischen Nationalen Befreiungsarmee (UCK) vor drei Jahren aufseiten der Aufständischen.

DPA-Chef Arben Xhaferi warnte am Donnerstag gegenüber dem STANDARD vor einem Wahlsieg Crvenkovskis: "Damit würden die drei wichtigsten Institutionen unter die Kontrolle nur einer Partei geraten." Neben den meisten Ministern stellen die Sozialdemokraten auch die Mehrheit im Parlament. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2004)

Von Markus Bickel aus Skopje
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