Austria: Geduld ist Anzahlung für Kultur

17. April 2004, 18:42
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Die Entwicklung der Austria macht ihre Stärken und Schwächen sichtbarer - Salzburg wurde geschlagen, die Führung ausgebaut

Wien - Da die Vergangenheit der einzige Fixpunkt im Leben eines Fußballers ist, zog Austrias Sportchef Günther Kronsteiner den einst beim GAK arbeitenden Klaus Augenthaler als Zeuge für ein Urteil heran. Kronsteiner: "Augenthaler war der Meinung, dass der Akoto ein großes Potenzial hat." Nach dem glücklichen und mühelos zugleich erspielten 3:0-Sieg des Titelverteidigers und Tabellenführers in der T-Mobile-Liga mag der Spruch nicht überraschen, doch stellt Akoto ein treffendes Beispiel für Glanz und Jammer der Mannschaft dar.

Akoto zwischen erstem Stock und Himmel

Der junge Mann ist schnell und gewieft genug, um praktisch jedem Gegenspieler in jeder Situation den Ball abzunehmen, seine Körpergröße und Sprungkraft versetzen ihn - vor allem im Zusammenspiel mit dem in der zweiten Halbzeit für Ratajczyk eingewechselten Afolabi - in die Lage, die Verhältnisse zwischen erstem Stock und Himmel zu kontrollieren.

Was die Gestaltung des Spiels betrifft, ist der von Kronsteiners Vorgänger und Exchef von Augenthaler, Peter Svetits, für die Austria gekaufte Verteidiger freilich ein Unsicherheitsposten. Das Spiel der Austria wäre so grundsätzlich charakterisiert: eine solide Basis, zumindest im Vergleich mit den Konkurrenten, hat doch die Austria die wenigsten Tore (21) erhalten. Der einzige verbliebene Titelkonkurrent GAK kassierte um 30 Prozent mehr, 28, erzielte aber nur ein Tor weniger, spielt in guten Augenblicken flüssiger als die Austria, verfügt aber nicht über die personelle und spielkulturelle Tiefe des Meisters. Der GAK hat nach dem 0:0 in Kärnten die Meisterschaft in Wahrheit schon verloren, die zwei Punkte Vorsprung der Austria sind noch der kleinste Hinweis darauf.

Ordnung und Fantasie

Kronsteiner hat die von Trainer Jogi Löw hinterlassene Unordnung mit einigen einfachen Entscheidungen großteils aufgeräumt, Exkapitän Michael Wagner (Kronsteiner: "er hat in einer gut spielenden Mannschaft immer noch seinen Platz") musste der Spielhoheit von Ivica Vastic und dem kreativen Raumbedürfnis von Janocko weichen, seither spielt die Mannschaft flüssiger, schneller, überraschender. Die Rückkehr von Gilewicz ins Angriffszentrum, wo er wie gestern abstauben und strafraumen kann, der Verzicht auf Kitzbichler auf der rechten Seite (auch so ein Platzangebot für Janocko) und insgesamt die Mittelfeldreihe mit Janocko, Blanchard, Vastic und dem flotten Helstad ist nicht ohne Fantasie. Die Verteidigung scheint (mit der kennzeichnenden Einschränkung Akoto) sich zu festigen, rechts (Kapitän Dospel) und links (Dhedeene) sind die Posten besetzt, in der Mitte dürften auf längere Sicht eher Afolabi und Akoto und nicht Ratajczyk arbeiten.

Bleibt das Problem Didulica, der gegen Salzburg zwei heikle Dinger bändigte, aber wieder wie in beinahe jedem Match zweimal peinlich an hohen Bällen vorbeiflog. Da fehlte selbst Kronsteiner ein apologetischer Bezug zur Vergangenheit, was in einem wortlos-schulterzuckenden Eingeständnis der Zukunft als unsicherem Gefährten eines Fußballers mündete. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 16. April 2004, Johann Skocek)

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    Sigurt Rushfeldt, verlässlicher Torschütze in den violetten Reihen.

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