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25. April 2004, 20:24
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Corporate Social Responsibility - die Verantwortlichkeit der Firmen für eine nachhaltige Zukunft - ist mehr als nur eine PR-Strategie, so das Resümee einer STANDARD- Diskussion mit dem "Südwind"

Wien - Konzerne nehmen ihre ethische und gesellschaftspolitische Verantwortung in ihre Leitbilder unter dem Titel "Corporate Social Responsibility" (CSR) auf; große Pensionsfonds orientieren ihre Investitionen zunehmend am Ausweis einer CSR; Fondsgesellschaften bringen Dutzende Ethik- und Ökofonds auf den Markt. Konsumentenschützer evaluieren zunehmend Produktionsbedingungen, soziale und ökologische Dimensionen in Unternehmen. Anleger und Konsumenten fragen nach Nachhaltigkeit.

Das ist mehr als eine kurzfristig profitable PR-Strategie - CSR, definiert als die Rolle der Firmen für mehr Gerechtigkeit, kann ein Baustein für eine nachhaltige Zukunft sein, lautet auch das Resümee einer Podiumsdiskussion, veranstaltet vom Südwind-Magazin und dem STANDARD Mittwochabend im Museumsquartier.

Keine eindeutigen CSR-Kriterien

Eindeutige und durchgängige CSR-Kriterien fehlen zwar ebenso wie Verbindlichkeit und eine klare Evaluierung - sogar die Begriffsdefinition ist vielfältig, wie sich vor allem zwischen der Position der AK-Expertin Elisabeth Beer und dem zuständigen Bereichsleiter in der Industriellenvereinigung, Christian Friesl, manifestierte. Trotzdem: In den Industrieländern ist ein Prozess im Gang, formulierte Alois Schrems, CSR-Verantwortlicher in der Telekom Austria.

Beer sucht vor allem nach der Glaubwürdigkeit der "Wohltäter" aus den Unternehmensreihen, pocht auf die Umwandlung freiwilliger Kodizes in Gesetze. Gleichzeitig konstatiert sie, dass Unternehmen vonseiten der Konsumenten zunehmend unter Druck gerieten, ihre Verantwortung für Ressourcen und die nachfolgenden Generationen wahrzunehmen.

"Nicht mehr alles schwarz-weiß"

Der gemeinsame Nenner auf die Publikumsfrage, ob gute Rendite mit verantwortungsvollem Wirtschaften zusammenpasse, lies sich solcherart prozesshaft beantworten: "Es ist nicht mehr alles schwarz-weiß - CSR ist eine redliche Reaktion der Firmen auf den Verlust der Glaubwürdigkeit." Helmut Adam, Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Organisation "Südwind Agentur" konzedierte die Fortschritte im Norden, dokumentierte aber dramatisches Fehlverhalten, Ausbeutung, Kinderarbeit, Umweltzerstörung durch die "Multis" im Süden.

"Die Lösung dieses Nord-Süd-Konfliktes wird auch der Knackpunkt der CSR sein", räumte Friesl ein. Alois Schlager, Betriebsratschef der Angestellten in der Traktorendivision Fiat, der eine Betriebsvereinbarung zur CSR durchgesetzt hatte, hofft diesbezüglich auf "den sukzessiven Export unserer schon guten Standards hier". (kbau, Der Standard, Printausgabe, 16.04.2004)

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    "Zurückgeben, was wir an ihnen verdient haben", ist das Motto der Corporate Social Responsibility in Entwicklungsländern - im "Süden" ist die Verfehlungsliste multinationaler Konzerne lang.

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