"Ein Stück Fernsehen ohne ethische Grenzen"

21. April 2004, 19:38
posten

Italienische Opposition kritisiert Live-Sendung mit Außenminister Frattini

Die italienische Opposition hat eine Fernsehsendung mit Angehörigen italienischer Irak-Geiseln und Außenminister Franco Frattini scharf kritisiert. Die Live-Sendung, während der am Mittwochabend die Tötung des entführten Italieners Fabrizio Quattrocchi bekannt wurde, sei "tragisch und zynisch" gewesen, teilten die Linksdemokraten am Donnerstag in einer Erklärung mit.

Rücktritt gefordert

"Es war ein Stück Fernsehen ohne ethische Grenzen und ohne Respekt vor dem Leben." Frattinis Teilnahme sei eine "zynische und verachtenswerte Schäbigkeit ohne Beispiel" gewesen. Die linksliberale Zeitung "La Repubblica" beschuldigte Frattini, "im Moment der Trauer und des Schocks" für die ganze Nation "alles falsch" gemacht zu haben und forderte seinen Rücktritt.

Anruf in "Porta a Porta"

Während der Anwesenheit von Angehörigen von zwei der vier in Irak entführten Italiener in der Live-Sendung "Porta a Porta" (Tür an Tür) hatte Frattini einen Anruf mit der Nachricht vom Tod einer der Geiseln erhalten.

Die bange Nachfrage des Bruders eines Entführten, ob er mehr zur Identität des Opfers sagen könne, beantwortete der Minister nüchtern: "Wenn es Neuigkeiten gibt, werden wir sie während der laufenden Sendung erfahren." Nach mehr als zweieinhalb weiteren Stunden wurde gegen Ende der Sendung bekannt, dass es sich bei dem Getöteten um Quattrocchi handelte, dessen Familie nicht an der Sendung teilnahm. (APA)

Share if you care.