Asfinag ist derzeit selbst eine Baustelle

21. April 2004, 15:38
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Autobahnbetreiber fehlt Controlling und fundierte strategische Ausrichtung - Vorstand und Aufsichtsrat reagieren mit neuer Unternehmensstruktur

Wien – Der Autobahnbetreiber Asfinag ist dabei, sich eine neue Unternehmensstruktur zu geben. Asfinag-Vorstand Christian Trattner ortet vor allem im Controlling und der strategischen Ausrichtung Defizite. Zu diesem Schluss kommt auch eine vom Vorstand in Auftrag gegebene Analyse des Beratungsunternehmens Contrast.

Die Berater sagen, es gebe "keine eindeutige und akzeptierte strategische Planung mit abgestimmten Zielvorgaben für den Gesamtkonzern". Außerdem fehle ein funktionierendes Berichtswesen und das Management habe keinen Überblick über den Gesamtkonzern. Bis 2006 sollte die Asfinag, die österreichweit ein Straßennetz von 2000 km betreibt, ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen werden, klare Organisations- und Entscheidungsstrukturen haben und kapitalmarktfähig sein.

"Diskussionspapier"

Arnold Schiefer, Sektionschef im Verkehrsministerium und Asfinag-Aufsichtsrat relativiert und spricht von einem "Diskussionspapier". Gleichzeitig bescheinigt er der Asfinag in den vergangenen drei Jahren eine "Erfolgsstory".

Dennoch, so Schiefer, sei manches noch sehr staatlich strukturiert (die Asfinag wurde 1997 aus dem Bundesdienst ausgegliedert) und daher müsse nun darangegangenen werden, effiziente, privatwirtschaftliche Strukturen zu schaffen. Weil die Mauteinführung sehr viele Kapazitäten band, sei das eben erst jetzt möglich. Fest stehe aber auch, dass die Asfinag mit derzeit acht Mrd. Euro Schulden bis 2010 eine 100-prozentige Bundesbeteiligung bleibe.

Schlanke Führung

Unternehmensintern will man künftig eine schlanke Führung. Unter dem Vorstand soll es Stabsstellen geben, die allerdings anders als bisher kein Durchgriffsrecht auf die operativen Einheiten in den Ländern vor Ort haben. Parallelstrukturen werden abgebaut. Dazu gehört auch die Kündigung von Werkverträgen mit den Ländern. Bisher hat der Bund das hochrangige Straßennetz über die Bundesländer betrieben. Künftig wird es die Asfinag selbst über ihre Töchter machen. Es werden also nicht mehr elf, sondern nur mehr vier Betreibergesellschaften gebraucht.

Schiefer will, dass die neue Organisation bis zum Sommer steht. Gleichzeitig weiß er um zum Teil heftige interne Widerstände gegen die geplanten Änderungen, weil etliche befürchten, Kompetenzen zu verlieren.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Asfinag gehöre nun, das heimische Mautsystem in Nachbarländer wie die Slowakei, Slowenien und Tschechien, die keine automatische Maut haben, "zu exportieren", argumentiert Trattner. Weil der Verkehr massiv zunehmen wird, gebe es auch höhere technologische Anforderungen etwa im Bereich Verkehrssteuerung. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 16.04.2004)

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    Der Autobahnbetreiber Asfinag ist dabei, sich eine neue Unternehmensstruktur zu geben.

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