Estag kontra Rechnungshof: "Nichts Neues"

27. April 2004, 14:17
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Für Ditz ist schwerer Schaden erst durch Streit an Konzernspitze entstanden

Graz – Mit zum Teil scharf formulierten Korrekturen reagiert jetzt die Führung der Energie Steiermark AG (Estag) in ihrer offiziellen Stellungnahme zum Rohbericht des Bundesrechnungshofes auf die seit Monaten kolportierten Vorwürfe an das Unternehmen. Die Ergebnisse des RH- Berichts bildeten die Grundlage für Einvernahmen im laufenden Untersuchungsausschuss des Landesparlamentes.

Für Estag-Interimsvorstand Johannes Ditz ist bereits die Ausgangsbasis für die RH-Prüfung nicht stimmig gewesen. Ditz im Gespräch mit dem Standard: "Das Unternehmen hat sich ja insgesamt wesentlich schlechter dargestellt, als es tatsächlich war. Der eine Vorstand, Gerhard Hirschmann, hat es den Beamten gegenüber in pechschwarzen Farben gezeichnet, die anderen beiden Vorstände wollten es positiv erscheinen lassen. Eine objektive Sicht der Dinge war gar nicht möglich."

Fragliche Punkte

Etliche fragliche Punkte im RH-Bericht seien ohne weiteres zu unterstreichen: Mangelhafte Strategiepolitik, keine Schablonenverträge, zu hohe Beraterhonorare, fragliche Verquickungen von privaten Geschäften des Aufsichtsratspräsidenten mit Estag-Beteiligungen. Ditz: "Aber der Rechnungshof bot nichts Neues. Das waren Dinge, die wir längst wussten und auch zum Teil schon korrigierten."

Einiges sei aber auch an der RH-Kritik fraglich. Wie etwa die Verwechslung von Schilling- und Eurobeträgen (Seite sieben der Stellungnahme) oder die "nicht nachvollziehbare Kritik wegen der Dividendenpolitik". Ditz: "Das Unternehmen hatte eine extrem hohe Liquidität, eine sehr hohe Eigenkapitalbasis, und es ist völlig klar, wenn ich Eigenkapital nicht benötige, macht es Sinn, es auszuschütten. Das ist nichts Verwerfliches."

Geschäfte liegen geblieben

Was bei aller RH-Kritik für ihn aber schwerer wiege: "Diese Streiterei des Vorstandstrios, dieses Nichthandeln im letzten Jahr, das dazu geführt hat, dass die Geschäfte liegen blieben, hat den eigentlichen Schaden erzeugt und zu einem nachweisbaren Werteverlust geführt. Das ist an den Businessplanzahlen ablesbar und mit 200 bis 300 Millionen Euro bezifferbar."

Von den in der Öffentlichkeit seit Monaten diskutierten "Skandalfällen" sei aber letztlich im Rechnungshofbericht nichts übrig geblieben, glaubt Ditz. Der Vorwurf eines Bilanzbetruges etwa sei nicht bestätigt worden, und auch für das "In-die-Kassa-Greifen" gebe es im RH-Bericht "keinen Hinweis". Er sei "aber froh", dass der RH noch einmal die Haftungsfrage prüfe. Ditz: "Ich hoffe, dass das jetzt rasch geht. Denn langsam sollten wir zur Normalität zurückkehren."(Walter Müller, Der Standard, Printausgabe, 16.04.2004)

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