Liebe gegen Herzanfall

20. April 2004, 15:49
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Enge Beziehung zu anderem Menschen schützt Herz und senkt Risiko für neuen Anfall - Herz-Kreislauf-System von Singles arbeitet anders

Manchester - Eine sehr enge Beziehung mit einem anderen Menschen dürfte nach einem Herzanfall die beste Medizin sein. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Manchester Royal Infirmary gekommen. Die Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass eine starke Bindung zu einem Freund, einem Partner oder einem Verwandten das Risiko eines weiteren Herzanfalls halbieren kann. Das Team um Francis Creed geht davon aus, dass die Möglichkeit zu Gesprächen hilft, das Erlebte besser zu verarbeiten. Die Ergebnisse der Studie sind im dem Fachmagazin Heart erschienen.

Die 600 freiwilligen Teilnehmer wurden drei bis vier Tage nach einem Herzanfall überprüft. Zusätzlich wurden sie weitere zwölf Monate lang beobachtet, um das Risiko eines weiteren Anfalls oder eines Todes zu beurteilen. Einer von vier Untersuchten litt vor dem ersten Herzanfall an Depressionen. Das legt nahe, dass der Seelenzustand das Herzrisiko beeinflussen kann. Entgegen früheren Studien waren diese Patienten nicht gefährdeter, einen weiteren Herzanfall zu erleiden oder zu sterben.

Herz-Kreislauf-System von Singles arbeitet anders

Das Herzrisiko halbierte sich auch, nachdem Faktoren wie die Schwere des Anfalls und andere Risikofaktoren berücksichtigt wurden. Patienten ohne eine enge persönliche Beziehung tranken eher viel, nahmen Drogen und hatten vor der aktuellen Einweisung zumindest einen Herzanfall erlitten. Diese Ergebnisse bestätigen die Aussagen einer Studie der University of Chicago, die ergab, dass das Herz-Kreislauf-System von einsamen Menschen anders arbeitet. Francis Creed erklärte gegenüber der BBC, dass eine Reihe von Faktoren das Risiko von wiederkehrenden Herzanfällen zu bestimmen scheint. Dazu gehören Rauchen, starker Alkoholkonsum, wenig Bewegung, eine schlechte Ernährung, Depressionen und auch der Mangel an sozialer Unterstützung.

Singles stressanfälliger

Stress und Depressionen beschleunigen den Herzschlag und halten den Körper so in einem erregteren Zustand. "Wir gehen davon aus, dass Menschen ohne nahen Vertrauten stärker auf Stress reagieren. Das kann gefährlich sein. Nach einem Anfall ist das Herz für Rhythmusstörungen anfälliger." Die Wissenschaftler ermittelten zusätzlich, dass Menschen ohne enge Bindungen doppelt so wahrscheinlich beide Elternteile während der Kindheit verloren hatten. Sie nehmen an, dass die Trennung von den Eltern einen negativen Effekt auf die Bildung von Bindungen im Erwachsenenalter haben kann. (pte)

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