Misshandeltes Baby in Graz: Auch Mutter muss mit Anklage rechnen

16. April 2004, 19:11
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29-jähriger Vater fühlte sich überfordert - Schwere Verletzungen wurden nicht durch Schläge herbeigeführt

Graz - Im Fall der kleinen Colin aus Graz-Umgebung, die von ihrem 29-jährigen Vater schwer misshandelt worden ist, dürfte auch die Mutter des Säuglings eine Anklage erwarten.

Wie der U-Richter des Straflandesgerichts Graz am Donnerstag sagte, müsse die 25-Jährige zumindest damit rechnen, sich wegen Unterlassung verantworten zu müssen. Dass sie selbst nicht direkt beteiligt war oder von den Übergriffen des Mannes wusste, sei plausibel: "Sie dachte, bei den blauen Flecken handle es sich um Blutgerinnungsstörungen".

Schwere Verletzungen nicht durch Schläge

Nach aktuellem Ermittlungsstand habe es mehrere Übergriffe gegeben, wobei der letzte besonders massiv gewesen ist, so U-Richter Günter Sprinzel. Die Verletzungen wurden nicht durch Schläge herbeigeführt, vielmehr handle es sich um Druck- und Streckverletzungen, die zu Schädelfraktur, dreifachem Rippenbruch und Oberschenkelfrakturen geführt hätten. Dieses Bild sei auch im Zusammenhang mit einem verkrümmten Becken zu sehen, weshalb den Eltern empfohlen worden war, mit dem Kleinkind Beingymnastik zu machen. Weil der Vater dies offenbar zu handfest anging, war er von seiner Frau einmal zur Rede gestellt worden.

Vater geständig

Sprinzel kündigte an, die Voruntersuchung bis Ende April abschließen zu wollen. Es seien noch weitere Einvernahmen notwendig, er werde zudem noch ein weiteres medizinischen Gutachten beauftragen. Der Mann, der am vergangenen Wochenende wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr in Haft genommen worden war und geständig ist, wird bis auf weiteres in U-Haft bleiben. Das Baby befindet sich noch in Spitalsbehandlung und dürfte anschließend in die Obsorge von Pflegeeltern kommen. (APA)

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