Gewalttaten haben immer komplexen Hintergrund

19. April 2004, 13:12
posten

Es ist der erster Vorfall dieser Art in der Steiermark - dennoch sei seit Jahren ein Anstieg an Gewaltfällen zu beobachten

Graz - "In der Aggressivität des Angriffs ist der Vorfall in der Hauptschule Wies für die Steiermark bisher einzigartig", so Josef Zollneritsch, der Leiter der Abteilung Schulpsychologie/Bildungsberatung im Landesschulrat für Steiermark. Wohl sei aber auch in der Steiermark in den vergangenen drei bis vier Jahren ein Anstieg an Gewaltfällen in den Schulen zu verzeichnen, so der Psychologe.

Schulen der Ort, "wo vieles ausbricht"

Eine Tat, wie jene des 13-Jährigen von Donnerstag vormittag habe immer eine komplexe Ursache und könne daher letztlich in jeder Schule vorkommen. Schulen seien leider oft der Ort, "wo vieles ausbricht, das ganz woanders seinen Ursprung haben kann", so der Inspektor.

Problembewältigung

Die Gewalt in der Gesellschaft sei allpräsent, hinzu komme, dass die Familie den Kindern oft nicht das Umfeld biete, um mit Problemen entsprechend zu Rande zu kommen. Die Versuchung, auf Druck immer aggressiver zu reagieren, werde für Schüler offensichtlich entsprechend größer, so Zollneritsch. In den vergangenen drei bis vier Jahren sei es zunehmend öfter zu Vorfällen gekommen, bei denen Gewalt in Spiel war und Kollegen vom schulpsychologischen Beratungsdienst ausrücken mussten.

"Mittlerweile sind wir fast wöchentlich im Einsatz", so Zollneritsch, der sich eine Aufstockung des schulpsychologischen Dienstes von bisher 14 Dienststellen auf fünf weitere Betreuer wünscht. "Wichtig ist es vor allen Dingen, im Vorfeld aktiv werden zu können um Eskalationen verhindern zu können", so der Schulpsychologe.

Selbstwertgefühl der Jugendlichen stärken

"Bei allen unseren Bemühungen wird man solche extremen Einzelfälle wie den heutigen wohl nie ausschließen können", meint die steirische Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder. Natürlich brauchte es mehr psychologische und auch psychiatrische Betreuung, "wir haben aber auch oft das Problem, dass wir die Menschen nicht dorthin bringen". Für die Steiermark habe sie nicht aus Zufall einen Schwerpunkt im Bereich der Präventionsarbeit gesetzt, der darauf abzielt, das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu stärken. Allerdings, so Edlinger-Ploder: "Die Schule allein schafft das nicht".(APA)

Share if you care.