Monitor erkennt Wachzustände

20. April 2004, 15:49
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Während Operationen konnte Anzahl der Wachzustände um achtzig Prozent reduziert werden

Melbourne - Ein groß angelegter internationaler Test hat nachgewiesen, dass der so genannte BIS Monitor die Anzahl der Fälle von Wachheit während Operationen um 80 Prozent reduzieren kann. Das Gerät wird bereits in einigen amerikanischen Krankenhäusern zur Überwachung der Tiefe der Anästhesie eingesetzt. Der Versuch wurde von Paul Myles vom Alfred Hospital und Kate Leslie vom Royal Melbourne Hospital durchgeführt. Laut Leslie sollte der BIS Monitor auf jeden Fall in jenen rund fünf Prozent der Operationen mit hohem Wachheitsrisiko eingesetzt werden. Myles fordert, dass diese Form der Überwachung bei 50 Prozent der Eingriffe durchgeführt werden soll.

Mit einer Elektrode

Beim BIS Monitor handelt es sich um eine Art Elektroenzephalogramm (EEG), das elektrische Aktivitäten im Gehirn mittels einer einzelnen Elektrode an der Stirn erkennt. Diese Aktivität hängt vom Stoffwechsel, der Erinnerungsfunktion und dem Bewusstseinszustand ab, die ihrerseits alle von der Narkose beeinflusst werden. Die Anzeige des Geräts zeigt eine komplexe Anordnung von verschiedenen Gehirnwellen. Der Monitor nutzt ein standardisiertes mathematisches Verfahren zur Auswertung der komplexen Wellenformen zur Erstellung eines Wachheitsindex. Bei 100 ist man hell wach. Der für Narkosen empfohlene Wert liegt zwischen 40 und 60.

Hohes Wachheitsrisiko

Für den Versuch beobachteten Myles und Leslie 2.500 Patienten, die in 24 verschiedenen Krankenhäusern in Australien, Neuseeland, Großbritannien und Hongkong operiert wurden. Bei allen Teilnehmern musste von einem hohen Wachheitsrisiko ausgegangen werden. Mittels Zufallsprinzip wurde ein Teil der Patienten mit dem BIS Monitor überwacht oder auf Anzeichen eines Wachzustandes wie Schwitzen, Bewegungen und Ansteigen von Blutdruck und Herzschlag beobachtet. Die Teilnehmer wurden vier Stunden, einen Tag und 30 Tage nach der Operation befragt. Elf Patienten der normal überwachten Gruppe erfuhren Wachzustände, verglichen mit zwei aus der monitorüberwachten Gruppe. Detaillierte Forschungsergebnisse sollen laut in Kürze in dem Fachmagazin The Lancet veröffentlicht werden.

Bei rund einer von 1.000 Operationen mit Narkose haben die Patienten Erinnerungen an den Eingriff. Für viele der Patienten sind diese Erinnerungen von kurzer Dauer und nicht besonders störend. Bis zu 50 Prozent können von den Gesprächen der Operateure berichten, dem Eingriff selbst und erinnern sich auch an die Schmerzen. Für manche wird diese Erfahrung zu einem Albtraum. (pte)

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    derstandard.at
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