Wiener Volksoper vor einem Jubiläumsjahr

19. April 2004, 21:37
posten

Viel leichte Muse mit neuer "Lustiger Witwe" zum Hundertsten - Rudolf Berger präsentierte seine zweite Saison

Wien - Fünf Musiktheater- und eine Ballettpremiere kündigte Rudolf Berger am Donnerstag für die zweite Volksopernspielzeit unter seiner Direktion an. Eine Jubiläums-Saison, wie er findet, denn vor 100 Jahren hieß die Volksoper erstmals Volksoper. Da passt die Neuinszenierung von Lehars "Die lustige Witwe" im 100. Jahr nach der Uraufführung gut ins Programm. Weitere Premieren sind Franz Schrekers "Irrelohe", Emmerich Kalmans "Die Herzogin von Chicago" und Smetanas "Die verkaufte Braut". Außerdem ist das Musical "The Sound of Music" in der Originalfassung der Broadwayversion angesetzt.

Berger blickte zufrieden zurück auf seine - noch laufende - erste Saison. Angelika Kopitsch, Kaufmännische Geschäftsführerin, lieferte die entsprechenden Zahlen: Die Auslastung liege bisher mit 80 Prozent rund 13 Prozent über der des Vorjahres, außerdem gebe es eine Steigerung an verkauften Vollpreiskarten um 46 Prozent. Damit seien die Einnahmen so hoch wie noch nie seit der Ausgliederung. Bergers Dank galt u.a. der Staatsoper für die gute Zusammenarbeit. Die angestrebten Koproduktionen etwa mit dem Klangbogen oder den Bregenzer Festspielen sollen ab der Saison 2005/06 anlaufen. Außerdem sind für 2006/07 ein Auftragswerk sowie für 2007/08 eine Operetten-Uraufführung geplant.

"Wieder entdeckte Musik"

Mit der ersten Premiere der neuen Saison will Berger den Schwerpunkt "Wieder entdeckte Musik" mit musikdramatischen Werken, die während der Nazizeit verboten waren, fortsetzen und Schrekers spätromantische "Irrelohe" erstmals in Österreich szenisch präsentieren (16. Oktober). Olivier Tambosi übernimmt die Regie, Dietfried Bernet die musikalische Leitung. Zur "Entarteten Musik" gibt es ein Symposion (13. bis 16. Oktober). Als "entartet" war auch Kalmans Operette "Die Herzogin von Chicago" mit ihren musikalischen Jazzelementen und Csardasmelodien angesehen, daraufhin vergessen und erst in den vergangenen Jahren wiederentdeckt worden. In der Volksoper wird man ab dem 11. Dezember eine Version mit neuer Textfassung spielen, Dominik Wilgenbus inszeniert, Karen Kamensek dirigiert.

"Höchste Zeit", meinte Berger, sei es, dass Smetanas "Die verkaufte Braut" auf Deutsch an das Haus zurückkehrt, zu dessen Kernrepertoire es gehören sollte. Am 30. April 2005 ist Premiere unter der Leitung von Chefdirigent Marc Piollet. Bereits die siebente Neuproduktion erlebt ab dem 5. Juni 2005 Lehars "Die lustige Witwe" an der Volksoper. "Ein echtes, großes Familienmusical" steht nach Bergers Vorstellung mit dem "oft verschätzten" "The Sound of Music" von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein auf dem Programm. Ohne Alpenkitsch soll ein kanadisches Künstlerduo die Geschichte der singenden Trapp-Familie auf die Bühne bringen. Nur konzertant wird Robert Schumanns "Genoveva" ab dem 23. Jänner 2005 erklingen.

"Qualitätsvolles Unterhaltungstheater"

"Für Menschen, die gerne träumen", will Ballettchef Giorgio Madia sein neues Tanzstück "Alice" nach Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" gestalten (15. Jänner 2005). Die Tanzproduktionen haben in der laufenden Saison bisher eine Auslastung von über 90 Prozent.

Das ausgerufene Jubiläum "100 Jahre Volksoper" begeht man mit einer Gala, die auch den Aufstieg der Volksoper in den Rang eines Bundestheaters Mitte der 50er Jahre thematisiert (4., 10. und 18. September). Grund für das Jubiläum ist die Idee des damaligen Direktors Rainer Simons, die Bezeichnung "Volksoper" zunächst als Untertitel zum sperrigen "Kaiserjubiläums Stadttheater" einzuführen. Damals habe man die eigene Zielrichtung erkannt: "qualitätsvolles musikalisches Unterhaltungstheater", so Berger. (APA)

(S E R V I C E - http://www.volksoper.at)

Share if you care.