Europäische Geotechniker zu Gast in Graz

19. April 2004, 13:24
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Grazer Know-How stellt weltweit Bauwerke auf sicheres Fundament

Graz - Seit vierzig Jahren arbeitet das Grazer Institut für Bodenmechanik daran, Bauten auf eine solide Basis zu stellen. Weltweit ungezählte Tunnel, das Wiener UNO-Center, aber auch der Schwechater Flughafentower stehen Dank dieses Know-Hows auf stabilem Fundament. Das Jubiläum wird im Rahmen des traditionellen Christian-Veder Kolloquiums gefeiert. Im Zentrum der aktuellen Veranstaltung, zu der rund 400 europäische Geo- und Bautechniker gekommen sind, stehen "Tiefgründungen".

Grundlage für jedes Bauen

"Bodenmechanik ist die theoretische Grundlage für jedes Bauen im Boden", so Stephan Semprich, Vorstand des Grazer Institutes für Bodenmechanik und Grundbau an der Technischen Universität. Die zuverlässige Ermittlung der Bodenbeschaffenheit - und das auch noch in dutzenden Metern Tiefe - ist die Voraussetzung für die solide Basis eines jeden Baus und ein zentrales Arbeitsfeld der Grazer Experten.

Wenn hohe Lasten auf dem Boden ruhen, wenn die Schichten wenig tragfähig sind oder beispielsweise der Grundwasserspiegel sehr hoch liegt, kommen Tiefgründungen zum Einsatz. "Dabei werden Betonpfähle in den Boden gegossen, die die Kräfte in tiefer liegende, tragfähigere Schichten leiten", erklärt Semprich.

Vergrabene Höchstleistungen

"Tiefbauingenieure vergraben ihre Höchstleistungen", so Semprich. Das sei wohl auch der Grund dafür, dass diese allzu leicht übersehen werden. Wer wisse beispielsweise schon, dass auch das New Yorker World Trade Center (WTC) auf einem in Graz entwickeltem Fundamentkonzept basiert, das der Gründer des Grazer Institutes für Bodenmechanik, Christian Veder, erarbeitet hat.

Der 1907 in Wien geborene Veder hatte bereits in Mailand das erste Erdbaulaboratorium eingerichtet und gilt als Begründer der Schlitzwand-Bauweise, die auch in New York sprichwörtlich zum Tragen kam. Mit mehrfach verankerten Schlitzwänden stützte er die Baugrube und Baute einer "Badewanne" für die Zwillingstürme.

"bathtub"

Innerhalb dieser auch in der Fachliteratur als "bathtub" bezeichneten Umschließung konnte dann erst das Fundament, das nun vor Wassereinbrüchen aus dem nahen Hudson-River geschützt war, errichtet werden. Die Anschläge des 11. Septembers 2001 überstand die Betonwanne nahezu unbeschadet, "ein entscheidender Vorteil bei den Aufräumarbeiten nach dem Unglück", so Semprich.

Die geotechnischen Probleme beim Bau des WTC und die Aufräumarbeiten kommen auch im Rahmen der Grazer Kolloqiums zur Sprache. Die Herausforderungen bei der Verbauung des Potsdamer Platzes in Berlin, der Verlängerung der Wiener U2 oder auch des Schwechater Flughafentowers sind u.a. Themen des bis Freitag andauernden Kolloqiums. (APA)

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