Händetrockner

22. April 2004, 21:32
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++PRO&CONTRA-- Was tut sich zeremoniell in den Toiletten der Cafés und Lokale im Zeitalter der heißen Luft ...

--PRO
von Karl Fluch

Dass man heute an dieser Stelle für oder gegen Händetrockner verbal die Klingen kreuzt, ist an und für sich schon eine Sensation. Bedeutet es doch, dass man sich auf eine zivilisatorische Stufe emporgearbeitet hat, auf der davon ausgegangen wird, dass sich Männer wie Frauen nach dem Besuch der Keramiknasszelle die Hände waschen und sie bei den dafür angebotenen Vorrichtungen anschließend trocknen.

Andererseits: Jeder Reality-Check zeigt, dass sich nur eine Minderheit nach dem Gang nach Sankt Privat tatsächlich die Hände reinigt. Deshalb wäre ich ja glatt für diese, in einem Gary-Larson-Cartoon einmal dargestellte Einrichtung, dass jedes Mal ein Alarmlicht mit der Aufschrift "Hat sich nicht die Hände gewaschen!" im Restaurant aufleuchtet, wenn eine derartige Person vom Klo zurückkommt, um so öffentlich zu machen, dass es sich um eine/n Pfuigack handelt. Ja, da bin ich eigen.

Was nun für Heißlufttrockner spricht, sind auf jeden Fall Textilhandtücher. Lieber in die Hose wischen, als in schlabberfeuchte, von weiß Gott wem benutzte Stoffhandtücher. Portionierte Papiertücher sind okay. Nachdem aber auf vielen Toiletten nur Kaltwasser läuft, was klamme Finger macht, mit denen sich schwer mit Besteck hantieren lässt, was wiederum einen anderen Gang aufs Häusel notwendig machen kann, nämlich den, um sich das angekleckerte Gewand zu reinigen, sind Trockenföns zu bevorzugen.

Außerdem kann man bei der Rückkehr zum Tisch seiner Begleitung zärtlich den Nacken kraulen, ohne Gefahr zu laufen, dass dieser vor Kälteschock das Essen aus dem Gesicht fällt.

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--CONTRA
von Daniel Glattauer

Man kann das auch von der positiven Seite sehen und löblich anmerken, dass es im Zeitalter der heißen Luft immerhin noch eine eigene, Klofinger produzierende Elektroindustrie gibt. Wahrscheinlich haben sich die brummenden Kästen, die nichts gleichschauen außer sich selbst, aber nur deshalb ins 21. Jahrhundert gerettet, weil so ungern darüber gesprochen wird, was sich zeremoniell in den Toiletten der Cafés und Lokale zuträgt.

Eine der schwierigsten Umstellungen von der Kindheit aufs Erwachsensein betraf das rituelle Händewaschen danach. Viele Männer wissen heute noch immer nicht, warum sie es tun. - Vermutlich nur deshalb, weil sie jemand dabei beobachten könnte, wie sie es gerade nicht tun. Jedenfalls sind die Hände nachher nass. Je nässer, desto geringer ist die Chance, dass ein Handtuch daneben hängt. Sogar mit den zehnfach recycelten grauen Rechtecken aus der Gründerzeit des Löschblattes wird gegeizt. Das sind sich dramatisch verdichtende Hinweise auf das Vorhandensein eines dieser scheußlichen Fönkästen.

Oft schalten die sich erst ein, wenn wir uns schon die Finger wund gerieben haben. Alle drei Sekunden schalten sie sich aus, um Strom zu sparen. Dabei helfen wir ihnen, indem wir die Hände an den Hosenbeinen zwischentrocknen. Den Rest der Feuchtigkeit lassen wir uns noch einmal aufheizen. Der Juckreiz könnte schon ein Vorbote der Händetrocknerallergie sein. Schließlich reicht es uns. Wir verlassen die Feuchtzelle und suchen dringend eine Hand, die wir schütteln können - für die rechte. Und eine trockene Schulter für die linke.
(DerStandard/rondo/16/04/2004)

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