Verbesserte medikamentöse Brustkrebs-Therapie

20. April 2004, 15:49
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Bei Östrogen-abhängigem Karzinom und Menopause hilft ein Aromatase-Hemmer

Wien - Bessere Chancen für Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs: Bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom, das Östrogen-abhängig ist, und die sich in der Menopause befinden, kann die Einnahme eines so genannten Aromatase-Hemmers ("Exemestan") ein erneutes Auftreten der Erkrankung - nach Operation - besser verhindern als die bisherige Strategie, erklärten Wiener Fachleute am Donnerstag.

Onkologe Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski vom Wiener AKH erklärte, dass es darum gehe, die Aussaat des Tumors zu verhindern. Denn die Statistik sagt: "Nach zehn Jahren sind 40 bis 50 Prozent der Brustkrebspatientinnen verstorben, nach 20 Jahren sogar 80 Prozent." Der Grund dafür sei, dass sich Krebszellen oft schon sehr früh abgesiedelt hätten und - auch noch nach Jahren - Metastasen bilden können.

Unter Östrogen-Kontrolle

Bei etwa 50 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs stehen die Tumorzellen unter Kontrolle der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogen). Bisher war bekannt, dass eine fünf Jahre dauernde Behandlung solcher Patientinnen mit dem Östrogen-Rezeptor-Antagonisten Tamoxifen die Rückfallrate reduziert. Doch mittlerweile gibt es in dieser "adjuvanten" antihormonellen Therapie eine neue Strategie: die Verabreichung von so genannten Aromatase-Hemmern, zum Beispiel die Substanz Exemestan. Das Medikament inaktiviert das Enzym Aromatase im Körper und verhindert damit die Produktion von Östrogen zu 98 Prozent.

Internationale Studie positiv verlaufen

"In Österreich erkranken jedes Jahr zirka 5.000 Frauen an Brustkrebs. 70 Prozent davon sind in der Menopause. Wiederum 70 Prozent davon haben einen Östrogen-Rezeptor-positiven Tumor", berichtete der Leiter der Abteilung für Spezielle Gynäkologie am Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Ernst Kubista. Für sie kommt eine antihormonelle medikamentöse Behandlung in Frage.

Der Vorteil der neuen Strategie mit dem Aromatase-Hemmer des Pharmakonzerns Pfizer wurde in einer großen internationalen Studie bewiesen, die am 11. März im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Bei 2.362 von 4.742 Brustkrebs-Patientinnen war nach zwei bis drei Jahren die anfängliche Behandlung mit Tamoxifen auf täglich 25 Milligramm des Aromatase-Blockers umgestellt worden. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 30,6 Monaten wurden die Ergebnisse in den beiden Gruppen verglichen. Die Gesamtbehandlungsdauer betrug damit jeweils rund fünf Jahre.

Rückfallrate reduziert

Es kam zu einer Reduktion der Rückfallrate um 32 Prozent. Absolut bedeutete das einen Vorteil um 4,7 Prozent im Vergleich zu der Gruppe der Probandinnen, die mit Tamoxifen behandelt wurden. Der Unterschied war statistisch signifikant. Nicht statistisch signifikant unterschieden sich die Gesamt-Überlebensrate der Patientinnen. Dazu war die Beobachtungszeit offenbar noch zu kurz.

Während es allerdings bei 20 Patientinnen in der Tamoxifen-Gruppe zu einem Auftreten eines Mammakarzinoms in der zweiten Brust kam, war das nur bei neun Frauen in der Exemestan-Gruppe der Fall. Das war knapp statistisch signifikant.

Empfehlungen

Die Ärzte empfehlen derzeit eine antihormonelle Therapie von Brustkrebs als Standard von fünf Jahren. Doch auch nach fünf Jahren kommt es zu Wiederauftreten. Auch nach fünf Jahren gibt es noch eine jährliche Rezidivrate von zwei bis drei Prozent. Die Therapiedauer wird aus diesem Grund verlängert.

Tamoxifen kann wegen verschiedener Nebenwirkungen nicht länger als fünf Jahre verabreicht werden. Hier könnte sich - bei Ausdehnung der Behandlungsdauer in der Zukunft - die Möglichkeit eines Wechsel nach einigen Jahren der Verwendung des ersten Medikaments auf den Aromatase-Inhibitor positiv auswirken.
Wie der Onkologe Univ.-Prof. Dr. Günther Steger vom Wiener AKH feststellt: "Brustkrebs ist offenbar - anders als viele andere Krebserkrankungen - eine chronische Krankheit." (APA)

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