Slowakischer Präsidentschaftswahlkampf endete ohne Überraschung

15. April 2004, 18:53
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Samstag Stichwahl zwischen Meciar und Gasparovic

Preßburg - In der Slowakei endete am Donnerstag der Wahlkampf für den zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl. Am kommenden Samstag treffen in der Stichwahl die beiden Oppositionspolitiker Vladimir Meciar, der Vorsitzende der Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS), und Ivan Gasparovic, der von der oppositionellen Partei Smer unterstützt wird, aufeinander. Der Ausgang des ersten Durchgangs der Präsidentenwahl gilt als Misserfolg der Regierungskoalition, da ihre Kandidaten sämtlich auf der Strecke blieben.

Die Wahlkampf brachte keine Überraschungen. Die zahlreichen Duelle und Diskussionen zwischen Meciar und Gasparovic kreisten meistens um die Interpretation der "gemeinsamen Vergangenheit" der beiden zwischen 1992 und 2002, als sie in den Augen der Öffentlichkeit die HZDS repräsentierten. Gasparovic distanzierte sich mehrmals von den "schlechten Momenten" dieser Periode, Meciar zog sich eher auf Erläuterungen der Umstände dieser Periode zurück. In der Diskussion über die inhaltlichen Fragen vertraten beide ähnliche Standpunkte. Gasparovic wirkte in den Diskussionen lebhafter, besser vorbereitet. Er attackierte Meciar nicht, eher wartete er auf dessen Fehler. Diese Taktik erwies sich als erfolgreich. Meciar wirkte ermattet, er verließ sich zu oft auf sein Improvisationstalent.

Die meinungsbildenden Medien stellten zumeist Gasparovic als "das kleinere Übel" dar. Die Schlagzeile des Kommentars der linksliberalen "Pravda" am Donnerstag lautet "Meciar Nein". Die Position der rechtsliberalen SME gegenüber Meciar ist eindeutig: Meciar ist als Politiker und Präsident für die Slowakei belastend. Im ersten Durchgang erhielt Meciar ungefähr um 200.000 Stimmen mehr als Gasparovic. Über den Ausgang der Wahlen dürfte die Wahlbeteiligung entscheiden, wobei davon ausgegangen werden kann, dass die Wähler Meciars disziplinierter sind. Die Hoffnung von Gasparovic stellen jene Wähler dar, die im ersten Durchgang ihre Stimmen für den Regierungskandidaten Eduard Kukan abgegeben hatten. Die Politiker der Regierungsparteien gaben ihren Sympathisanten keine Empfehlung für die Stichwahl. Vor der Stichwahl gab es auch keine Meinungsumfragen. Wer in den nächsten fünf Jahren in der Slowakei das Amt des Präsidenten bekleiden wird, wird voraussichtlich in den Morgenstunden des Sonntag feststehen. (APA)

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