Rom startet diplomatische Offensive, um das Leben der anderen Geiseln zu retten

15. April 2004, 19:34
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Italien wegen brutaler Hinrichtung schockiert

Rom - Die Regierung Berlusconi kämpft gegen die Zeit, um das Leben der drei italienischen Geiseln zu retten, die sich nach der Hinrichtung des 37-jährigen Fabrizio Quattrocchi noch in Gefangenschaft irakischer Aufständische befinden. Italien setzte alle diplomatischen Hebeln in Irak in Bewegung, um mit Hilfe religiöser Behörden Kontakte mit den Entführern zu knüpfen, die sich als Aktivisten einer bisher unbekannten Gruppe namens "Grüne Brigade" bezeichneten.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi entsendete seinen diplomatischen Berater, Botschafter Gianni Castellaneta, in den Irak. Castellaneta soll die diplomatischen Kontakte zur Befreiung der Entführten koordinieren. Der italienische Botschafter in Bagdad, Gianludovico De Martino, nahm Kontakte zu den Lokalbehörden in Falluja auf, hieß es in Rom. "Unsere Pflicht ist es, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sie da rauszuholen", betonte der italienische Außenminister Franco Frattini. Er unterstrich jedoch, dass die diplomatische Arbeit schwierig sei, weil die Terroristen einer "unstrukturierten Banditengruppe" angehörten. Es handle sich vermutlich um sunnitische Guerillas.

"Italien muss Strenge und Kohärenz zeigen"

Staatschef Carlo Azeglio Ciampi appellierte an die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, alles Mögliche zu unternehmen, um das Leben der Geiseln zu retten. "Italien muss Strenge und Kohärenz zeigen, weil man terroristischen Erpressungen nicht nachgeben kann. Zugleich darf jedoch nichts ausgelassen werden, um das Leben unserer Mitbürger im Irak zu retten", schrieb Ciampi in einem Beileidsbrief an die Familienangehörigen der hingerichteten Geisel.

Die brutale Exekution des aus Genua stammenden Fabrizio Quattrocchi, der vor zwei Wochen als Bodyguard für eine US-Sicherheitsgesellschaft nach Bagdad gereist war, erschütterte Italien zutiefst. Der 37-jährige Kampfsport-Fan hatte seinen Familienangehörigen nicht berichtet, wohin er gefahren war. Die US-Gesellschaft hatte ihm ein monatliches Gehalt von 10.000 Euro versprochen. "Er hatte das Angebot angenommen, weil er heiraten und eine Wohnung kaufen wollte", berichtete Quattrocchis Bruder.

Die Familienangehörigen der drei Mitgefangenen Quattrocchis warten fieberhaft auf Nachrichten aus dem Irak. Der Vater des vermissten Salvatore Stefio appellierte an alle Italiener, gegen die Hinrichtung der Geiseln zu mobilisieren. "Ich fordere alle Italiener auf, auf die Straßen zu gehen, um all dies zu stoppen. Mein Sohn reiste in den Irak, um ehrlich zu arbeiten", so Angelo Stefio. "Der Staat soll etwas unternehmen. Zum Beispiel, einen Geiselaustausch vorschlagen. Der Staat muss dialogbereit sein, damit unsere Söhne, Zivilisten, die im Irak arbeiteten, wieder unversehrt nach Hause zurückkehren können", appellierte Stefio.

Verzicht auf Polemik

Italiens politische Parteien verzichteten angesichts des brutalen Mordes auf Polemik um die Zukunft der Friedensmission im Irak und beteuerten entschlossen ihren Willen, für die Befreiung der Geiseln zu arbeiten, ohne sich jedoch der Erpressung der Terroristen zu beugen. Die Entführer hätten "ein Leben zerstört, aber sie haben nicht unsere Werte und unseren Einsatz für den Frieden angegriffen", erklärte Regierungschef Berlusconi, der einen Abzug der rund 3.000 im Südirak stationierten italienischen Soldaten ausschloss. Oppositionschef Francesco Rutelli rief alle Parteien zu Zusammenhalt auf. "In dieser Lage darf es keine Polemik zwischen Koalition und Opposition geben", meinte Rutelli. (APA)

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