Entführer ermorden italienische Geisel

16. April 2004, 19:35
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Erste Hinrichtung eines der verschleppten Ausländer - Berlusconi schließt Truppenabzug aus - Kidnapper drohen mit weiteren Tötungen

Rom/Doha - Irakische Entführer haben einen der vier seit Montag vermissten Italiener hingerichtet. Italiens Außenminister Franco Frattini bestätigte in der Nacht auf Donnerstag den Tod des Mannes. Der katarische Fernsehsenders Al Jazeera berichtete von einem Videoband und Fotos, auf denen "die Ermordung der Geisel" zu sehen sei. Die Bilder sollten jedoch wegen ihrer Grausamkeit mit Rücksicht auf die Fernsehzuschauer nicht gesendet werden. Der Italiener ist der erste der insgesamt rund 40 im Irak verschleppten Ausländer, der von seinen Entführern getötet wurde.

Die Entführergruppe namens "Grüne Brigaden" begründete die Tötung des Mannes laut Al Jazeera mit der Weigerung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, die Truppen seines Landes aus dem Irak abzuziehen. Die Kidnapper drohten demnach damit, auch ihre drei anderen Geiseln "einen nach dem anderen" zu töten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Der italienische Regierungschef mache sich nichts aus dem Leben seiner Landsleute und befriedige lieber "seine Herren im Weißen Haus".

Italiener vor den Augen der Mitgefangenen hingerichtet

Die Entführer hatten in einem von Al Jazeera ausgestrahlten Video den Abzug der rund 3.000 italienischen Soldaten aus dem Irak gefordert. Berlusconi, einer der engsten Verbündeten der USA im Irak, schloss am Dienstag einen Abzug des italienischen Kontingents jedoch aus.

Nach Angaben von Al Jazeera wurde der Italiener in Anwesenheit seiner drei Mitgefangenen mit einem Genickschuss hingerichtet. Das Videoband zeige die vier italienischen Geiseln, während neben ihnen ein Grab ausgehoben wird, sagte ein Vertreter des Senders dem privaten italienischen Fernsehsender La 7. Einer von ihnen wurde demnach ausgewählt und per Genickschuss getötet.

Italienischer Außenminister Frattini ratlos

Insgesamt vier italienische Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma galten seit Montag als vermisst. Frattini sagte in einer Sondersendung des öffentlichen italienischen Fernsehsenders Rai, bei der getöteten Geisel handle es sich um Fabrizio Quattrocchi, einen 36-jährigen ehemaligen Bäcker aus der norditalienischen Stadt Genua. An der Rai-Sendung nahmen auch Angehörige der drei anderen Geiseln teil. Über deren Schicksal zeigte sich Frattini ratlos. Er wisse nicht, was mit ihnen passieren werde. "Unsere Pflicht ist es, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sie da rauszuholen."

Bei den anderen Geiseln handelt es sich nach italienischen Medienberichten um einen 34-jährigen sizilianischen Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Presidium International, einen 35-jährigen Wachmann aus Bari und einen 37-Jährigen aus dem toskanischen Prato.

Berlusconi machte deutlich, dass er sich auch weiterhin nicht erpressen lassen will. Die Entführer hätten "ein Leben zerstört, aber sie haben nicht unsere Werte und unseren Einsatz für den Frieden angegriffen", erklärte der italienische Regierungschef in Rom. Berlusconi ließ sich nach Regierungsangaben über die Ereignisse im Irak auf dem Laufenden halten.

Frattini äußerte die Ansicht, dass es sich bei den Entführern weder um Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr noch um die Urheber des Anschlags auf die italienischen Besatzungstruppen im vergangenen November in Nassiriya handelte. Bei dem Anschlag waren 19 Italiener getötet worden. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Bild der italienischen Geiseln, von welchen einer von den Entführern ermordet wurde.

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