Löwin und Unsichtbarer

15. April 2004, 13:36
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Bühne eines Kasperltheaters. Die Handpuppen Löwin und der Unsichtbarer sprechen zu den Massen.

Löwin: Politik braucht ein Gewissen! Wählt Benita! Bussi, Bussi!

Unsichtbarer: Hör nicht, Volk, auf diese Tussi! Politik braucht ein Gewissen, das sag' ich, der Fischer Heinz!

Löwin: Still bist! Und ich sag' dir eins: Politik braucht ein Gewissen, das ist mein Satz ganz allein!

Unsichtbarer: Komm, Benita, krieg dich ein, oder willst du eine g'rissen?

Löwin: Du willst ernsthaft, Heinz, mich schlagen? Gleich kriegst eine in den Magen! Politik braucht ein Gewissen!

Unsichtbarer: Dir hau' ich die Birn' zu Mus! (Sie bewerfen einander mit Manner-Schnitten. Die Handpuppe Präsident tritt auf, gefolgt von den Hundehandpuppen Oli und Orchi.)

Präsident: Oli! Orchi! Kommt's! Bei Fuß! (Unsichtbarer und Löwin hören mit dem Schnittenwerfen auf.)

Löwin (lächelnd): Süße Hundis!

Unsichtbarer (lächelnd): Fast zum Küssen!

Präsident: Ich bin nicht so sicher, heute hat der eine, gestern mich der zweite, ziemlich in die Hand gebissen. Unsichtbarer (lächelnd): Böses Hundi!

Löwin (lächelnd): Kein Gewissen! (Präsident und die Hunde ab.)

Beide: Wiederschaun, Herr Präsident!

Präsident(von draußen): Heinz, Benito, Kompliment.

Unsichtbarer (nachrufend, süßlich): Ciao! Wir werden dich vermissen!

Löwin (ebenso): Politik braucht ein Gewissen! Unsichtbarer (zu Löwin): Geht das jetzt schon wieder los?

Löwin: Ja. Und diesmal rigoros: Politik braucht ein Gewissen, dieser Satz gehört nur mir.

Unsichtbarer: Nein! Ich untersag' ihn dir! So was fallert dir nie ein, deshalb kann's mein Satz nur sein! Beide: (bombardieren einander mit Manner-Schnitten): Könntest du dich jetzt vertschüssen?! Niemand will das von dir hören! Nur von mir will man es hören! Politik braucht ein Gewissen! (Sie verschwinden unter Manner-Schnitten. Vorhang) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.4.2004)

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