Forschen für den gesunden Urlaub mit Gütesiegel

19. April 2004, 13:36
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An der Tiroler UMIT soll künftig auch medizinische Tourismusforschung betrieben werden

Innsbruck - "Bisher wurde die Gesundheit nur als Werbegag verwendet", meint der Mediziner Egon Humpeler mit einem kritischen Blick auf die ausufernden Wellnessangebote im Tourismus. Auf der jüngst in Berlin zu Ende gegangenen Ferienmesse ITB sei dem vermeintlichen Megatrend Wellnesstourismus bereits Stagnation bescheinigt worden, erzählt Humpeler, weil sich die Konsumenten mit "Programmen ohne Inhalt" und vagen Versprechungen nicht länger zufrieden geben würden.

Das an der privaten Universität für Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Innsbruck und Hall mit massiver Unterstützung von Landeshauptmann Herwig van Staa gegründete weltweit erste "Institut für Urlaubs-, Reise-und Höhenmedizin" soll mit Daten und Fakten teilweise Abhilfe schaffen. Etwa mit Zertifizierungen, wer in welcher Höhenlage mit welchen Aktivitäten Konkretes für seine Gesundheit leisten kann. Institutsvorstand Wolfgang Schobersberger will auch Richtlinien gegen den "Wildwuchs in der Ausbildung zu Gesundheitstrainern" erarbeiten und bekennt sich zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. "Forschungsergebnisse müssen rasch umgesetzt werden", meint Schobersberger und formuliert die Parole: "Vom Projekt zum Produkt." Zugute sollte dem Institut auch kommen, dass die EU beabsichtigt, Werbung mit "Gesundheit" ab 2007 nur noch mit wissenschaftlicher Untermauerung zu erlauben.

Ein bereits laufendes Forschungsprojekt beschäftigt sich mit allergischen Erkrankungen und der Tatsache, dass oberhalb von 1500 Metern die Pollenbelastung geringer ist und etwa Schimmelpilze und Hausstaubmilben in diesen Höhenlagen nicht mehr existieren. In einem Interreg-Projekt werden Tiroler Heilkräuter auf ihre Wirkung und mögliche Vermarktungsformen untersucht.

Eine "unglaubliche Chance" für das neue Institut sieht Humpeler auch darin, dass derzeit nur 4,5 Prozent aller Gesundheitsausgaben in Prävention und Gesundheitsförderung fließen. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 4. 2004)

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