Sisis Creme und der Füller Metternichs

18. April 2004, 18:26
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Kaiserhaus-Memorabilien im Wiener Dorotheum

Wien - Georg Ludwigstorff zieht erfolgreiche Bilanz. 1994 schlug der mittlerweile auch für Ballspenden und Silber verantwortliche Experte der damaligen Geschäftsführung des Dorotheums vor, dem Thema "Kaiserhaus" eine eigene Auktion zu widmen. Seit exakt zehn Jahren huldigen Nostalgiker ganz allgemein und Liebhaber der k.k. Monarchie im Speziellen ihrer Leidenschaft offiziell.

Die steigende Nachfrage nach k.k. Memorabilien ortet Ludwigstorff einerseits im allgemeinen Nostalgiefaible und andererseits in der historisch nachvollziehbaren Aufbereitung der Stücke, kurz der Provenienz. Natürlich verschafft ihm das Nahverhältnis seiner Familie zum Kaiserhaus - der Urgroßvater war als Großprior vom Malteser Ritterorden in der kaiserlichen Leibgarde und seine Großmutter Hofdame Zitas - Vorteile bei der Akquisition.

Preisbestimmend ist vielerlei, vor allem aber die Ankäufe von Museen. Und: Mit jedem neuen Sisi-Buch steigt auch der Hype auf Stücke aus ihrem Besitz. Ein durchaus rentables Gebiet, Tendenz steigend, wie die Umsätze belegen. Erst im April vergangenen Jahres hatte sich die Nachfrage auf 427.000 Euro summiert. Diesmal spannt sich der Bogen von der Familie Habsburg-Lothringen bis zum deutschen Kaiserhaus der Hohenzollern. Konkret bietet Ludwigstorff am 29. April etwa ein Sonderrecht in Schlüsselform: Ausschließlich Mitglieder alter preußischer Adelsfamilien erhielten das Privileg, König Wilhelm II. als Kammerherrn zu dienen.

Der Kammerherrenschlüssel diente als Würdezeichen, das nach dem Tod des Inhabers an den Hof zurückging und neu verliehen wurde. Der zur Versteigerung gelangende Schlüssel aus der Zeit um 1900 ist das bisher einzig bekannte juwelenbesetzte Exemplar und deshalb mit 4000 bis 6000 Euro veranschlagt.

Darüber hinaus kommen seltene Versionen österreichischer Provenienz unter den Hammer, darunter ein Kämmererschlüssel Maria Theresias (1500-2000 Euro). Ein Erinnerungsstück an die bürgerliche Revolution stellt die Schreibfeder des österreichischen Staatskanzlers Klemens Fürst Metternich dar. Noch am Tage seiner Flucht aus Wien nach England, am 14. März 1848, unterschrieb er damit in seinem Arbeitskabinett die letzten offiziellen Schriftstücke (700-1000 Euro).

In der Beliebtheitsskala rangieren allerdings Memorabilien an Kaiser Franz Joseph I. und seine Gemahlin Elisabeth: Etwa ein reich floral - auch von Tochter Erzherzogin Marie Valerie - bestickter Fächer Sisis (3000-5000 Euro). Erklärter Höhepunkt der Auktion wird der Aufruf eines Konvoluts an Rezepten, Bestellscheinen und Rechnungen sein, der Einblick in die Kosmetikprodukte der Kaiserin bietet.

Die im Bayrischen geborene Elisabeth war zeitlebens für ihren extravaganten Kult um ihr Äußeres bekannt. Neben strengem Gymnastikprogramm, strikter Diät, ihrer rasende Kopfschmerzen verursachenden Haarpracht eben auch für spezielle Schönheitsrezepturen. Vorliegende wurden Elisabeth - unter ihrem Inkognito "Gräfin Hohenhems" - ins Ausland nachgesendet, da sie nicht auf die in der k.k. Hof-Apotheke speziell für sie hergestellten Pflegeprodukte (Crème Celeste), verzichten wollte.

Ob sich die Fangemeinde an die angesetzte Taxe von 1500 bis 2500 Euro hält, ist nicht absehbar. Bereits 1997 versteigerte man ähnliche Rezepturen und Bestellscheine, insgesamt 15 Zettelchen, die weit über dem Schätzwert bei 4300 Euro zugeschlagen wurden.
(DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2004)

Von Olga Kronsteiner
  • Der einzige 
bisher bekannte Kammerherrenschlüssel mit 
Juwelenbesatz soll zwischen 4000 und 6000 
Euro bringen.
    foto: dorotheum

    Der einzige bisher bekannte Kammerherrenschlüssel mit Juwelenbesatz soll zwischen 4000 und 6000 Euro bringen.

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