Gestresste Austern und Schildkröten mit Herpes

26. April 2004, 12:34
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Krankheitsfälle bei vielen Meeres-Spezies im Steigen - wo sie sinken, liegt es daran, dass die Spezies selbst schwinden

Ithaca - Eine Langzeitstudie der Cornell University und des National Center for Ecological Analysis and Synthesis (NCEAS) belegt die Zunahme von Krankheiten bei den meisten Arten von Meeresorganismen. Die Studie zeigt, dass vermehrt Krankheiten bei Meeresbewohnern wie Säugetieren, Weichtieren und Seeigeln, jedoch nicht Fischen, auftreten. Grund hierfür ist jedoch nicht die Abnahme der Krankheiten bei Fischen, sondern die Abnahme der Fischbestände selbst. Zurückzuführen ist dies auf Überfischung der Meere und andere Faktoren.

Die Studie deckt zum Beispiel auf, dass Meeresschildkröten immer häufiger an Tumoren leiden, die von einem Herpesvirus ausgelöst wurden. Weichtiere, wie zum Beispiel gezüchtete Austern, weisen immer häufiger Stresssymptome aus, die durch Klimaveränderung und Aquakultur-Praktiken hervorgerufen werden können. Einzig Seegras und Haie zeigen keinen Anstieg von Krankheiten. Auch unter ihnen gibt es zwar Krankheiten, sie scheinen jedoch nicht im Steigen zu sein.

Keine falschen Schlüsse ziehen

Die Ergebnisse der Studie werden im Magazin "Public Library of Science Biology" veröffentlicht. Jessica Ward, Doktoratsstudentin der Cornell University und Hauptautorin der Studie, stellt zu den rückläufigen Fischbeständen folgenden Vergleich an: "Ohne Zweifel gibt es immer weniger Fälle von Lungenentzündung bei Veteranen des zweiten Weltkrieges, das heißt jedoch nicht, dass die Veteranen gesünder werden. Sie werden einfach weniger, und genauso ist es auch mit Fischbeständen." Tatsächlich gibt es unter einigen Fischspezies nur noch so wenige Exemplare, dass keine Untersuchungen über einen Anstieg der Krankheiten mehr möglich sind.

C. Drew Harvell, Cornell-Professor für Ökologie und Evolutionsbiologie, bemerkt, dass dies die erste quantitative Studie ist, die zum Ergebnis kommt, dass Krankheiten in Ozeanen im Steigen sind. Schwierig war es vor allem, frühere Daten mit Vergleichszahlen zu finden. Es wurde auf Literatur zurückgegriffen, und gezählt, wie oft Krankheiten bei Meerestieren früher schon aufgetreten waren. Eine Gegenprobe wurde gleichzeitig mit der Verbreitung von Waschbären-Tollwut, einer am Land sehr häufigen Krankheit unter Tieren, gemacht, und verglichen, wie viele Fälle von Waschbär-Tollwut es in der Literatur gibt und wie diese Zahlen in der Realität heute aussehen. Da die Zahlen übereinstimmten, kann man also auf frühere Literaturangaben zugreifen. (pte)

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