Positionen statt Posen

14. April 2004, 17:45
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Das Unbehagen über das richtige Kreuzerl für die Hofburgwahl reicht weit über die gewöhnlich Desinteressierten hinaus - von Barbara Tóth

Neben der inhaltlichen Überschaubarkeit gibt es zwei weitere wesentliche Konstanten in diesem Präsidentschaftswahlkampf: Die Anzahl der Unentschlossenen ist so groß wie selten zuvor. Und auch die Anzahl der Nicht- oder Ungültigwähler wird - nach Schätzung der Experten - Rekordwerte erreichen. Politikverdrossenheit wäre das logische und übliche Erklärungsmuster für dieses Phänomen.

Doch das Unbehagen über das richtige Kreuzerl für die Hofburgwahl reicht weit über die gewöhnlich Desinteressierten hinaus - etwa auch in politisch normalerweise sehr engagierte und informierte Kreise. Dass sich viele bei dieser Wahl noch nicht oder vielleicht überhaupt nicht entscheiden wollen, zeigt vor allem eines: Keinem der beiden Kandidaten ist es bisher gelungen, klar zu machen, warum ausgerechnet er oder sie in die Hofburg kommen soll. Und keiner der beiden Anwärter konnte verständlich machen, wie er oder sie das - nach zwölf Jahren Ära Klestil sowohl inhaltisch wie stilistisch stark angeschlagene - Amt wiederaufleben lassen wollen.

Noch gibt es genügend Möglichkeiten, Positionen statt Posen einzunehmen - zuallererst bei der großen TV-Konfrontation am Donnerstag. Sonst besteht die Gefahr, dass Nicht- oder Ungültigwählen diesmal von vielen als letzter Ausweg gewählt wird. Als Signal dafür, dass weder die Kandidaten noch ihr Wahlkampf das notwendige Niveau erreicht haben. Und als Signal dafür, dass eine ehrliche Diskussion über die Funktion des Bundespräsidenten Not tut - abseits von populistischen Schmuseattributen wie Herz oder Gewissen der Nation.

Wer immer nach dem 25. April in der Hofburg residiert, wird vor allem jene, die die zu Hause geblieben sind, erst überzeugen müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2004)

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