Italien will sich "Erpressungen nicht beugen"

15. April 2004, 14:55
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Außenminister Frattini verspricht aber vollen Einsatz zur Befreiung der vier entführten Italiener

Rom/Prag/Tokio - Der italienische Außenminister Franco Frattini hat am Mittwoch vor dem römischen Parlament versichert, dass die Regierung Berlusconi keine Verhandlungen mit den Terroristen führen wird, die vier Italiener im Irak entführt haben. "Entführungen sind terroristische Aktionen. Es gibt daher keinerlei Verhandlungsmöglichkeiten mit den Terroristen", betonte Frattini. Er versicherte aber, dass Italien alles Mögliche unternehmen werde, um die Geiseln zu befreien.

Frattini berichtete, dass sich Italien bei den religiösen Behörden im Irak aktiviert habe, die die Entführer zur bedingungslosen Befreiung der Geiseln überreden könnten. "Wir wollen einerseits auf einer strengen Linie beharren, andererseits werden wir nichts auslassen, um zur Befreiung der Entführten zu gelangen", erklärte der Minister.

Frattini schloss aus, dass die Regierung Berlusconi die rund 3.000 im Südirak stationierenden Soldaten abziehen werde. "Der Abzug unserer Soldaten hätte unvorstellbare Folgen für das irakische Volk, das bereits so stark gelitten hat", meinte der Minister. Seiner Ansicht nach müsse das Datum des 30. Juni als Frist für eine Übergabe der Souveränität an eine irakische Regierung respektiert werden, obwohl die Schwierigkeiten für die Einhaltung dieses Termins groß seien.

"Die Lage im Irak ist Besorgnis erregend, daher ist die Anwesenheit italienischer Soldaten mehr denn je notwendig. In dieser Situation sollten viele andere Länder ihren Beitrag im Irak leisten", meinte Frattini. Er versicherte, dass seine Regierung sich bei den USA für eine neue UNO-Resolution zur Regelung des Übergangsprozesses im Irak verwenden werde.

Entführte Tschechen leben noch

Die drei im Irak vermissten tschechischen Journalisten sind noch am Leben, wie das Außenministerium in Prag am Mittwoch mitteilte. Die drei wurden am Sonntag nahe der irakischen Stadt Falluja vermutlich entführt. Die Regierung bemühe sich um Kontakt zu den Kidnappern, sagte der stellvertretende Außenminister Petr Kolar, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Ein irakisches Regierungsmitglied hatte am Dienstag im tschechischen Fernsehen erklärt, die Journalisten könnten in den kommenden Tagen freigelassen werden. Als Reaktion auf die Entführung rief das Außenministerium tschechische Bürger im Irak zum Verlassen des Landes auf. (APA/AP)

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