Börse Budapest: Forint fraß 2003 die Kursgewinne auf

11. Februar 2005, 15:37
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Nur kleines Plus für Ausländer wegen Währungsschwäche - Heuer Stabilisierung erwartet - Gute Aussichten für Volkswirtschaft

Wien - Nach der EU-Erweiterung am 1. Mai werden jene gut 280.000 Österreicher, die bei der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge zugegriffen haben, wahrscheinlich auch zu Aktionären ungarischer Unternehmen. Denn mit dem Beitritt zur EU vergrößert sich das Anlageuniversum der Zukunftsvorsorge um jene Börsen der neuen Mitglieder, deren Marktkapitalisierung weniger als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beträgt, darunter der ungarische Aktienmarkt.

Im Jahr 2003 war die Budapester Börse keine geeignete Spielwiese für nervenschwache ausländische Investoren. Zwar konnte der Leitindex BUX im internationalen Einklang auch deutlich zulegen, Währungsspekulationen sorgten aber gleichzeitig für Kurskapriolen des Forint zum Euro. Setzten die Spekulanten zu Jahresbeginn noch auf eine Forint-Aufwertung, schlug das Pendel aber schnell und recht deutlich in die andere Richtung aus. Wegen der Forint-Schwäche konnte ein Euro-Investor vom 20-prozentigen Anstieg des BUX im Vorjahr unterm Strich nur ein Plus von knapp 8 Prozent verbuchen.

Lage um ungarische Währung beruhigt

Heuer entwickelten sich bisher sowohl der BUX als auch der Forint erfreulich. Das 13-prozentige Plus des Index wurde von einem Anstieg des Forint um gut 4 Prozent unterstützt. Nun sollte sich die Lage um die ungarische Währung beruhigt haben, meint Osteuropa-Analyst Henning Eßkuchen von der Erste Bank. Der Forint sei stabiler geworden und habe nun wieder den "normalen Konvergenzpfad", also den Weg osteuropäischer Währungen zum späteren Euro-Beitritt, eingeschlagen. Für den Budapester Aktienmarkt ist Eßkuchen "durchaus positiv gestimmt", für eine weiterhin günstige Entwicklung spreche das stabile Gewinnwachstum ungarischer Unternehmen.

Nach einer kleinen Wachstumsdelle hat auch die Konjunktur in Ungarn im zweiten Halbjahr 2003 wieder an Schwung gewonnen. Für heuer prognostiziert die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) 3,2 Prozent BIP-Wachstum, 2005 sollen es 3,8 Prozent werden. Besonders von den Exporten erwartet sich die BA-CA frischen Wind, angetrieben vom tieferen Forint-Wechselkurs und auch dem bisher milden Konjunkturfrühling in der EU. Im Vorjahr war noch der private Konsum die Hauptstütze für die ungarische Wirtschaft.

Belastend für die wirtschaftliche Stabilität wirke hingegen das Doppeldefizit - wie die USA leidet auch Ungarn gleichzeitig unter einem hohen Budget- und Leistungsbilanzdefizit. Darin sieht die BA-CA auch die Schwäche der Landeswährung hauptsächlich begründet. Größere Budgetdisziplin der Regierung und höhere Exporte sollten bis 2005 aber zu einer merklichen Verringerung der Lücke im Haushalt und in der Leistungsbilanz beitragen, so die Volkswirte des Instituts.(APA)

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