Italien: Sprengkörper in Kirche in Portogruaro entdeckt

15. April 2004, 18:45
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Kopfgeld auf italienischen Unabomber ausgesetzt, der seit Jahren Regionen Friaul und Veneto terrorisiert

Rom - Zwei Parlamentarier der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord wollen ein Kopfgeld von 5.000 Euro für Informationen bezahlen, die zur Festnahme des rätselhaften Attentäters "Unabomber" führen, der seit Jahren mit Sprengfallen die norditalienischen Regionen Friaul und Veneto terrorisiert. Vergangene Woche soll er einen Sprengkörper in einem Feuerzeug versteckt haben, der er in einer Kirche in Portogruaro bei Venedig entdeckt wurde. Laut Polizei hätte die Bombe töten können.

Bereits 25 Attentate

Der mysteriöse - in Anlehnung an den US-Paketbomben-Attentäter Theodore Kaczynski so genannte - Italo-Unabomber wird für 25 Attentate verantwortlich gemacht, bei denen seit 1994 im nordöstlichen Italien mehrere Menschen verletzt wurden. Das Aktionsgebiet des Mannes umfasst die Provinzen Pordenone, Treviso, Udine und Venedig.

1994 begann der Terror

Erstmals tauchte der italienische Unabomber am 21. August 1994 auf. Bei einem Volksfest in Sacile bei Pordenone explodierte eine Rohrbombe, die drei Personen verletzte. Weitere Sprengkörper dieser Art gingen in den folgenden Monaten vor einem Supermarkt in Pordenone sowie vor der Kirche der friaulischen Stadt Aviano in die Luft, wo sich ein US-Militärstützpunkt befindet. Weitere vier Rohrbomben detonierten in der Provinz Pordenone, ohne jemanden zu verletzen.

1996 detonierte Bombe am Strand von Lignano

Bei der Explosion einer Rohrbombe am Strand des Badeorts Lignano wurde am 4. August 1996 ein 33-jähriger Urlauber schwer verletzt. Mehrere Sprengkörper derselben Art detonierten in den folgenden Tagen in mehreren Badeorten der Gegend. Im Juli 2000 wurde ein pensionierter Carabiniere in Lignano lebensgefährlich verletzt, nachdem der Sprengsatz in seinen Händen gezündet hatte. Vor einem Jahr war ein Textmarker in der Hand eines kleinen Mädchens explodiert, das schwer verletzt wurde.

Kopfgeld

Die Lega-Parlamentarier riefen die Bevölkerung auf, mit Spenden dazu beizutragen, noch mehr Kopfgeld zu sammeln. "Wir werden persönlich das Geld zahlen, wenn die Informationen zur Festnahme des Täters führen", sagte der Lega-Parlamentarier Edouard Ballaman. "Wir nehmen an, dass der Unabomber eine absolut normale Person ist, der seine Anschläge allein durchführt", so Ballaman. (APA)

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