"Er war mein einziger Freund"

29. April 2004, 21:19
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Dutroux bestreitet früheres Geständnis Komplizen Weinstein bei lebendigem Leibe begraben zu haben

Arlon - Der mutmaßliche Kindermörder Marc Dutroux hat bestretet vehement, einen Komplizen bei lebendigem Leibe begraben zu haben. Bernard Weinstein, dessen Leiche in Dutroux' Garten gefunden wurde, sei ohne sein Zutun ums Leben gekommen, sagte der vorbestrafte Vergewaltiger am Mittwoch vor dem Schwurgericht im südbelgischen Arlon.

Ex-Frau spricht über Dutroux' Geständnis

Dutroux' Ex-Frau hatte dagegen ausgesagt, ihr Mann habe ihr die Tat gestanden. Neben dem Mord an Weinstein wird Dutroux auch der Tod der beiden 18 und 19 Jahre alten Frauen An und Eefje zur Last gelegt. Insgesamt soll er sechs Mädchen festgehalten haben, von denen nur zwei überlebten. Einer der Opferanwälte beschuldigte unterdessen die Behörden, Spuren möglicher Dutroux-Helfer nicht nachgegangen zu sein.

"Er war mein einziger Freund"

"Ich habe Weinstein nicht ermordet, er war mein einziger Freund", sagte Dutroux in der siebten Prozesswoche. Während der Ermittlungen hatte er noch gestanden, den Franzosen Weinstein mit Medikamenten betäubt und in seinem Garten verscharrt zu haben. Dies nahm er nun zurück. Dutroux behauptet, Weinstein habe an der Entführung von vier der Mädchen teilgenommen und zwei von ihnen getötet.

Schwere Vorwürfe gegen Ermittler

Opferanwalt Georges-Henri Beauthier erhob derweil in einem Zeitungsinterview schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Nicht alle Schuldigen säßen auf der Anklagebank, betonte er. Namen wollte Beauthier nicht nennen. Allerdings seien darunter weder "der Papst noch der Kardinal", also keine einflussreichen Persönlichkeiten. Der Anwalt vertritt die 22-jährige Laetitia Delhez, die Dutroux im August 1996 entführte und die am kommenden Dienstag zum ersten Mal vor dem Schwurgericht im südbelgischen Arlon aussagen soll.

Nihoul wollte Prostituiertenring aufbauen

Nach den Worten Beauthiers gibt es deutliche Hinweise, dass Dutroux' mutmaßlicher Komplize Michel Nihoul einen Ring osteuropäischer Prostituierter in Belgien aufbauen wollte. "Man kann nicht ausschließen, dass im Gegenzug auch Mädchen in den Osten verkauft werden sollten", betonte der Anwalt. Zeugen zur Rolle Nihouls sollen in der kommenden Woche vor Gericht erscheinen. (APA)

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    Während der Ermittlungen hatte Dutroux noch gestanden, den Franzosen Weinstein mit Medikamenten betäubt und in seinem Garten verscharrt zu haben.

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