Iran: USA bitten um Hilfe gegen Schiiten-Aufstand

15. April 2004, 22:46
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Teheraner Gesandter angeblich bereits ins Nachbarland gereist

Teheran - Die USA haben den Iran nach Angaben aus Teheran um Vermittlung im Irak gebeten. Es habe einen regen Schriftwechsel zwischen Teheran und Washington darüber gegeben, sagte der iranische Außenminister Kamal Kharrasi am Mittwoch. Der Iran werde sich bemühen, zur Beilegung der Krise im Nachbarland beizutragen, sagte der Minister.

Der Austausch mit den USA laufe über die Schweizer Botschaft in Teheran. Seit der islamischen Revolution 1979 gibt es keine offiziellen diplomatischen Kontakte zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident George W. Bush brandmarkte das Land vor zwei Jahren als Teil einer "Achse des Bösen".

US-Vertreter: Initiative Londons

Die Reise einer iranischen Vermittlungsdelegation in den Irak zur Beilegung der Krise im Süden des Landes ist nach US-Angaben auf Initiative der britischen Regierung zu Stande gekommen. "Sie wurden von den Briten eingeladen", sagte ein hochrangiger Vertreter der US-Außenministeriums am Mittwoch in Washington. Die USA hätten London nicht darum gebeten, hofften aber, dass die Iraner bei der Eindämmung des Konflikts hilfreich sein könnten.

US-Außenamtssprecher Richard Boucher wies die Darstellung des iranischen Außenministers Kamal Kharrazi zurück, die USA hätten Teheran um Hilfe gebeten. Allerdings habe Washington Teheran "jüngst" zu einer konstruktiven Rolle im Irak aufgefordert. Am Mittwoch war die Gesandtschaft des iranischen Außenministeriums in Bagdad eingetroffen, um in dem Konflikt zwischen den USA und dem radikalen Schiitenführer Moktada al Sadr zu vermitteln. (Schluss) ade

Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA hatte zuvor gemeldet, der Beauftragte des iranischen Außenministeriums für die Golfregion, Hossein Sadeghi, sei bereits nach Irak gereist. Sadeghi sollte den Angaben zufolge irakische Geistliche und Vertreter des Regierungsrates treffen, um "Auswege aus der Krise zu finden".

Die Mehrheit der Iraner sind Schiiten. Seit Tagen kämpfen die US-geführten Besatzungstruppen gegen Anhänger des radikalen irakischen Schiitenführers Moktada al Sadr. Dabei sind Dutzende Besatzungssoldaten und Hunderte Iraker getötet worden. Die iranische Regierung hat sich von Al Sadr distanziert und Vorwürfe aus den USA zurückgewiesen, sie mische sich in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes ein.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, machte jedoch die USA für den Aufstand verantwortlich. "Es ist offensichtlich, dass die Verbrechen der Besatzer die Reaktion des irakischen Volks ausgelöst haben", sagte er in einer Rundfunkrede. "Es ist das Schicksal des amerikanischen Vorgehens im Irak zu scheitern und früher oder später werden die Amerikaner mit Schande das Land verlassen müssen." (APA/Reuters/AP/dpa)

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