40 Prozent weniger Strom durch technische Mindestnormen

22. April 2004, 15:53
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Ein neues EU-Gesetz könnte Europas Strombedarf enorm senken - "Standby"-Funktionen sind gigantische Stromfresser

Brüssel - Ein neues EU-Gesetz, das den Stromverbrauch in der EU um bis zu 40 Prozent senken könnte, steht auf der Abstimmungsliste des EU-Parlaments in der kommenden Woche. Es sieht technische Mindestnormen für den Stromverbrauch aller Elektrogeräte vor - vom Fernseher bis zur Klimaanlage. Dieses Gesetz werde "weit unterschätzt", sagt der deutsche CDU-Abgeordnete Peter Liese, in der konservativen Fraktion für das Thema zuständig.

Schlummermodus ist Stromfresser

Alleine der "Schlummermodus" (Standby) der Elektrogeräte verschlinge derzeit fünf Prozent des Stroms in Deutschland, sagt Liese. Dabei könne der Strombedarf in dieser Ruhephase des Geräts mit dem Einbau eines nur einen Euro teuren Zusatzgeräts von derzeit oft 18 Watt auf unter 1 Watt gedrückt werden. Die Zusatzkosten würden sich für den Konsumenten innerhalb weniger Monate durch Einsparungen bei der Stromrechnung rentieren. Bisher werde dies nicht getan, weil die Konsumenten die stromsparenden Eigenschaften nicht nachfragen, sagt Liese.

Das Gesetz wird aber nicht die genauen technischen Anforderungen künftiger Elektrogeräte regeln, sondern der EU-Kommission die Vollmacht und den Auftrag erteilen, genaue, EU-weit gültige Regeln zu erlassen. Daher konzentriere man sich auf besonders lohnende Gebiete, wie neben dem Standby Modus die Heizung und Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Unterhaltungselektronik, Computer, Klimaanlagen.

Wenige Differenzen

Im EU-Parlament gebe es große Einigkeit über alle politischen Gruppen hinweg. Eine Einigung mit den Ministern der Mitgliedsländer sei absehbar gewesen, bis diese vor Ostern das Thema als "nicht vordringlich" einstuften, kritisiert Liese. Dabei gebe es nur wenig inhaltliche Differenzen. Er könne "nicht ausschließen", dass die Industrie die Mitgliedsländer auf Zeitersparnis gedrängt habe.

Das sei aber schade, denn nach der Erweiterung werde eine Einigung nicht einfacher. Außerdem würden laufend neue Geräte auf den Markt kommen, die dann eben noch nicht den neuen Normen entsprächen. Nun kann die endgültige Entscheidung (in zweiter Lesung) keinesfalls vor Herbst mehr fallen. Bei größeren inhaltlichen Differenzen - oder wenn die Mitgliedsländer säumig sind - könnte es auch noch länger dauern. Über dieses Gesetz müssen EU-Parlament und die im EU-Ministerrat vertretenen EU-Mitgliedsländer gemeinsam entscheiden.(APA)

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    grafik: derstandard.at
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