China importiert ökologisches Know-how aus Österreich

20. April 2004, 12:31
1 Posting

Umweltprogramm "Ökoprofit" soll innovationswilligen Betrieben nachhaltiges Wirtschaften schmackhaft machen

Graz - Das Grazer Umweltprogramm "Ökoprofit" wird nun auch nach China exportiert. Die südwestchinesische Millionenstadt Panzhihua hat jüngst den Vertrag zur Übernahme des Modells unterzeichnet. Es soll innovationswilligen Betrieben nachhaltiges Wirtschaften durch Behebung ökologischer Schwachstellen schmackhaft gemacht werden. Weitere Interessenten stünden Schlange, freuten sich der Grazer Umweltreferent BgmStv. Walter Ferk (S) und der Leiter des Umweltamtes, Karl Niederl, bei einem Pressegespräch.

China zählt zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmächten der Welt. "Das chinesische Problem ist, dass es sich dabei zwar um eine sehr schnelle, aber nicht unbedingt saubere und effiziente Produktionsweise handelt", so Karl Niederl, Vorstand des Grazer Umweltsamtes. Mit Hilfe des vor über einem Jahrzehnt in Graz entwickelten Programmes sollen nun technische und organisatorische Abläufe in den Betrieben so optimiert werden, dass Emissionen und Umweltbelastungen auf ein Minimum reduziert werden.

"Testgelände"

Die auf rund 1.500 Metern Seehöhe gelegene rund 1,2 Millionen Einwohner zählende Stadt Panzhihua ist erst vor vierzig Jahren entstanden und verfügt über reichste Vorkommen hochwertiger Bodenschätze. Dementsprechend wurden eine Vielzahl von Industriebetrieben errichtet, "mit allen Problemen für die Umwelt, die eine solche Anhäufung mit sich bringt", so Niederl. Einen Ausweg erhofft man sich nun durch die Übernahme des Grazer Umweltmodells, das von den steirischen Experten maßgeschneidert auf die Verhältnisse vor Ort übertragen wird. "Das ist eine wunderbare Chance für die steirischen Umweltexperten, in China Fuß zu fassen", so Umweltstadtrat Ferk.

In einem ersten Schritt kommen chinesische Manager nach Graz, um einen Monat lang eine Einschulung zu erhalten. "Dann wird das auf die Probleme des jeweiligen Ökoprofit-Partners ein maßgeschneidertes Umweltpaket geschnürt und in den Betrieben eingeführt", erklärt der Amtsleiter, der zugleich die mit der Abwicklung des Modells betraute Grazer CPC (Cleaner Production Center) führt. Niederl legt die Latte für die chinesischen Umsetzungspläne hoch: "Bis Ende des Jahres wollen wir 15 zertifizierte Betriebe und zusätzlich fertig ausgebildete chinesische Trainer für das Umweltmodell geschaffen haben."

Hoffnung auf Erweiterung

Wird die Einführung in Panzhihua ein Erfolg, dann stünden die Chancen hoch, dass das Modell das gesamte "Reich der Mitte" erobert, schätzt Niederl. Aus der Hauptstadt Peking sei bereits heftiges Interesse bekundet worden. Vorerst wird die chinesische Markteinführung aus Mitteln des Europe-Asia-Urbs-Programmes, einem Know-How-Transferprogramm der EU, mit 0,5 Mio. Euro finanziert. (APA)

Share if you care.