Aznar: Anschläge von Madrid wurden schon vor Irak-Krieg geplant

16. April 2004, 14:49
1 Posting

Terror-Vorbereitungen seit Herbst 2002 - Kritik an Rückzugsplänen Zapateros - Terrorverdächtiger will sich Behörden stellen

London - Die Terroranschläge von Madrid sind nach den Worten des scheidenden spanischen Regierungschefs Jose Maria Aznar bereits vor dem Irak-Krieg geplant worden. Die Attentate vom 11. März, bei denen 191 Menschen getötet wurden, seien schon im Herbst 2002 vorbereitet worden, sagte Aznar in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der britischen Tageszeitung "The Times". Das Engagement seiner Regierung an der Seite der USA im Irak, das im März 2003 angegriffen wurde, sei nur ein "Vorwand, nicht der Grund" für die Madrider Anschläge gewesen. "Kein Land ist außer Gefahr", betonte Aznar.

"Neutral"

Es sei unmöglich, angesichts "dieser Art von Terrorismus" neutral zu sein, betonte der scheidende Ministerpräsident: "Wir sind im Krieg. Man kann angegriffen werden. Man kann getroffen werden." Darüber müsse die neue spanische Regierung des Sozialisten Jose Luis Rodriguez Zapatero ebenso wie andere Regierungen "ernsthaft" nachdenken. Deutschland, Frankreich und Russland hatten den Irak-Krieg entschieden abgelehnt.

"Sehr negative Botschaft"

Aznar kritisierte erneut Zapateros Ankündigung, die spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen, wenn die UNO nicht zum 30. Juni - dann soll die Regierungsübergabe durch die USA an den Irak erfolgen - die Lage politisch und militärisch kontrolliert. Dies sei eine "sehr negative Botschaft". "Wir müssen kämpfen", sagte Aznar.

Terrorverdächtiger will sich Behörden stellen

Vier Wochen nach den Bombenanschlägen von Madrid will sich ein Verdächtiger aus Bosnien-Herzegowina den spanischen Behörden stellen. Der 23-Jährige werde am Freitag nach Madrid reisen, berichtete die Zeitung "Dnevni Avaz" am Mittwoch. Er halte sich derzeit in Schweden auf und habe über die Medien erfahren, dass er als Verdächtiger gelte. Er nahm der Zeitung zufolge bereits Kontakt zur Polizei auf und wies jede Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. März zurück.

Das spanische Innenministerium hatte Anfang April die Namen dreier Verdächtiger veröffentlicht, darunter den des Bosniers. Interpol in Bosnien sei von der spanischen Polizei um Ermittlungen zu dem Verdächtigen gebeten worden, sagte ein Sprecher. (APA/AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gedenken in Madrid. Bei der Explosion von zehn Bomben in vier Pendlerzügen waren 191 Menschen getötet und etwa 1.800 weitere verletzt worden.

Share if you care.