Briten halten von US-Präsident Bush vorgegebenes Ziel für "naiv"

15. April 2004, 22:47
9 Postings

Daily Telegraph berichtet über Spannungen zwischen Briten und Amerikanern im Irak und zitiert hohen ehemaligen Pentagon-Beamten

London - Zwischen britischen und amerikanischen Diplomaten im Irak bestehen nach Darstellung eines hohen ehemaligen Pentagon-Beamten starke Spannungen. Die Briten hielten das von US-Präsident George W. Bush vorgegebene Ziel, den Irak zu einer westlich geprägten Demokratie zu machen, für naiv, sagte Michael Rubin der britischen Zeitung "The Daily Telegraph" (Mittwochsausgabe). Rubin arbeitete bis vor kurzem für das US-Verteidigungsministerium und war ein Berater des US-Chefverwalters im Irak, Paul Bremer.

"Bremer folgt der Linie des Präsidenten", sagte Rubin. "Die meisten britischen Diplomaten stimmen mit der Linie des Präsidenten im Allgemeinen nicht überein." Vor allem Bremers Entscheidung, die irakischen Streitkräfte aufzulösen und ehemalige Mitglieder von Saddam Husseins Baath-Partei von allen Ämtern auszuschließen, werde von den Briten als Fehler eingeschätzt, berichtete die Zeitung auch unter Verweis auf andere Quellen. Rubin kritisierte weiter, dass sich die Briten vom Irak aus um eine verstärkte Annäherung an Iran bemühten, was nicht im amerikanischen Interesse sei.

Schon seit langem kursieren in Großbritannien Gerüchte, wonach der mittlerweile zurückgetretene britische Sondergesandte in Bagdad, Sir Jeremy Greenstock, mit Bremer auf schlechtem Fuß stand. "Greenstock hielt Bremer für naiv, Bremer wiederum glaubte, dass Greenstock die falsche Politik verfolgte", zitierte der "Telegraph" eine Quelle aus der US-geführten Zivilverwaltung. (APA/dpa)

Share if you care.