Pavel Kohout erhielt Wiener Ehrenmedaille

23. April 2004, 11:56
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Kulturstadtrat Mailath-Pokorny würdigte den tschechischen Schriftsteller als "eine der großen Persönlichkeiten Europas"

Wien - Der Schriftsteller Pavel Kohout ist am Mittwoch mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold ausgezeichnet worden. Der Literat gilt als einer der großen Vermittler zwischen seiner ehemaligen Heimat Tschechien und seiner neuen, Österreich. Seit seiner Ausbürgerung 1979 lebt der führende Exponent des Prager Frühlings in Wien.

"Er hat etwas immer bewiesen: Haltung", pries Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) den 75-jährigen Künstler. Laut Bundespräsidentschaftskandidat Heinz Fischer (S), der für seinen Freund die Laudatio übernahm, habe sich Kohout zu einer Persönlichkeit entwickelt, die in Wien genauso gern gesehen ist wie in Prag und ganz Europa. Er habe sich deshalb die Auszeichnung "in übergroßem Maße verdient". Auch Mailath-Pokorny strich in seiner Rede die Bedeutung Kohouts als "eine der großen politischen und kulturellen Persönlichkeiten Europas" heraus.

Der Geehrte freute sich über das Lob und verkündete, zur Feier unter anderem seinen Friseur, Bankberater und seine Wirtschafterin eingeladen zu haben: "Ihr seid mein Österreich". Allerdings habe er sich in diesem Land nie politisch engagiert, auch wenn er sich nun aus persönlichen Gründen im Unterstützungskomitee für Heinz Fischer wiederfinde: "Ich bin davon ausgegangen, dass mein politisches Engagement schon einem Land gereicht hat."

Wiener Exil von 1978 bis 1989

Als der im "Prager Frühling" und in der Demokratiebewegung "Charta 77" aktive Tscheche 1978 nach Wien reiste, um den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur entgegenzunehmen, hatte die Tschechoslowakei die Gelegenheit genutzt, um den unbequem gewordenen Regimekritiker auszubürgern. Kohout lebt seit dieser Zeit in Wien, wo er am Burgtheater als Berater und Dramaturg arbeitete. Seit der "Samtenen Revolution" von 1989 pendelt Kohout immer wieder zwischen Prag und der österreichischen Bundeshauptstadt.

Geboren wurde Kohout am 20. Juli 1928 in der tschechischen Metropole. Seinen Durchbruch als Dramatiker schaffte er dort 1955 mit "Septembernächte". 1967 schlug sich der Schriftsteller offen auf die Seite der Reformatoren um Alexander Dubcek. Nach der Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968 wurde er aus der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei ausgeschlossen, über seine Werke wurde ein Publikationsverbot verhängt. Seit 1969 erscheinen seine Arbeiten ausschließlich in ausländischen Verlagen. (APA)

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    Pavel Kohout

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