Steiermark: Vater quälte sechs Wochen altes Baby bewusstlos

15. April 2004, 18:14
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29-jähriger Immobilienmakler fühlte sich überfordert - Tragödien durch gestresste Eltern immer häufiger

Graz - Vor einem Monat erst wurde ein Grazer, der seinen vierjährigen Sohn zu Tode geprügelt hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt - das Urteil ist nicht rechtskräftig -, und schon wieder sorgt ein Fall schwerer Kindesmisshandlung in der Grazer Kinderklinik für Bestürzung. Vor wenigen Tagen brachten Eltern aus der Umgebung von Graz ihren sechs Wochen alten Säugling bewusstlos in die Klinik, wo Verletzungen am Brustkorb, an den Beinen und am Kopf festgestellt wurden.

Überforderung

Nachdem die Klinik die Behörden einschaltete, war der 29-jährige Vater des Mädchens geständig und wurde verhaftet. Er gab an, überfordert gewesen zu sein, während die Mutter nichts bemerkt haben will. ORF-Berichte, wonach ein offener Schädelbruch bei dem Baby vorliege, wurden vom Vorstand der Kinderklinik, Wilhelm Müller, gegenüber dem STANDARD dementiert: "Das stimmt nicht. Das Mädchen lächelt bereits und wird bei uns von seiner Mutter sehr gut betreut." Ein so ausgedehnter Fall von Misshandlung sei auf der Kinderklinik aber "eher selten". Meist kämen diese Fälle auf die Kinderchirurgie.

Tragödien mit überforderten Eltern kommen öfters vor

Der Chef der Kinderchirurgie, Michael Höllwarth, ist öfter mit solchen Tragödien konfrontiert. Höllwarth richtete 1991 die erste Kinderschutzgruppe Österreichs an einem Krankenhaus ein. In der Kinderschutzgruppe arbeiten Psychologen, Kinderärzte, Chirurgen und Sozialarbeiter zusammen, um bereits beim Verdacht einer Misshandlung vorgehen zu können. Mittlerweile sind solche Gruppen für Kinderkliniken in Österreich gesetzlich vorgeschrieben.

Früherkennung einer gefährdeten Familie

Die Früherkennung einer gefährdeten Familie ist dabei für Höllwarth wesentlich: "Es sind oft Eltern eines Schreikindes, eines behinderten Kindes oder sehr junge Eltern, solche, die selbst geschlagen wurden oder sozialen Stressfaktoren ausgesetzt sind, die dann die Nerven wegschmeißen." Sie seien aber auch meist für Therapien zugänglich. Die Kinderschutzgruppe am LKH Graz erreicht man unter [TEL] (0316) 385 42 36. (cms, DER STANDARD Printausgabe 15.4.2003)

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