Die fünf fundamentalen Probleme bei Open Source

25. April 2004, 12:00
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Oder: Warum man für die eigenen Fehler blind ist und es einfach kein gutes User-Interface gibt

Bei Firstmonday.org findet sich ein interessanter Artikel mit dem Titel "Die fünf fundamentalen Probleme bei Open Source", der sicherlich für heftige Diskussionen sorgen wird.

Die Probleme

Die Autorin des Artikels, Michelle Levesque, berichtet von den Problemen die sich ergeben wenn man ein Open Source-Projekt in die Hand nimmt. Eines der fundamentalen Probleme ist für Levesque das User Interface Design. "Aus irgendeinem Grund scheinen Open Source-Projekte unzählige Probleme mit dem User Interface Design zu haben", schreibt Levesque. "Ein gutes Beispiel wie es laufen sollte ist Mac OS X. Ich habe Anwender gesehen, die mit relativ wenig Computerkenntnissen in wenigen Minuten mit dem OS X-Desktop zurechtkamen. Würde man dieselbe Person vor KDE oder Gnome setzen so würde dies in einem zeitraubenden Kampf gegen Intuition und Verständnis ausarten, der dazu führt, dass der Anwender fragt, warum sollte ich es nehmen, wenn mein Windows XP-Rechner so viel einfacher zu bedienen ist", meint Levesque.

Dokumentation und Co.

Weitere Probleme macht Levesque bei der Dokumentation von Open Source-Projekten aus, die - wenn überhaupt vorhanden - oft nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Für Levesque ist die Dokumentation meist eher eine generelle Anleitung, denn eine wirkliche Hilfe die man einem Neuling in die Hand geben kann. Die häufigste Antwort der Open Source-Gemeinde auf diesen Vorwurf ist, laut Levesque, wenn man es nicht versteht, dann ist man nicht bereit es zu installieren. "Doch wie soll man dann lernen?", wird im Artikel gefragt. Auch die teilweise völlig unnötige, weil nicht gefordert, sondern einzig aus dem Ehrgeiz des Programmierers entstandene, Überladung der Software durch Features kritisiert Levesque. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Open Source-Projekte von Programmierern für Programmierer gemacht sind und nicht auf die Anforderungen des Durchschnitts eingehen. So entstünde in der Öffentlichkeit der Eindruck Open Source sei lediglich für eine technische Elite zugänglich und nutzbar.

"Religiöse Blindheit"

Als fünftes fundamentales Problem führt die Autorin die "religiöse Blindheit" der Open-Source-Programmierer an. Diese stellen sich stur und verbohrt gegen proprietäre Software, ohne zu erkennen, dass man auch von diesen Entwicklungen etwas lernen kann. "Für seine Überzeugungen zu kämpfen, ist eine ehrenhafte Tat, aber die Verleugnung der eigenen Schwächen - anstatt sie zu erkennen und zu beheben - ist das größte der fünf fundamentalen Probleme der Open-Source-Gemeinde", so Levesque.(red)

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