Gäste aus Schweden zum Osterausklang

18. April 2004, 17:48
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Respighi, Mahler und Strauss

Wien - Einer alten Theaterweisheit zufolge sind bei künstlerischen Veranstaltungen vor allem zwei Dinge wichtig: der Beginn und der Schluss. Bei der Lektüre des diesjährigen Osterklang-Programms hätte man leicht meinen können, dass sein Ausklang am Ostermontag dem Auftakt wohl nicht standhalten werde.

Bot man zum Start immerhin die Wiener Philharmoniker unter Michael Boder mit Frank Martins herb-schönem Golgotha-Oratorium auf, so präsentierte man zum Oster(aus)klang mit dem Schwedischen Radio-Symphonieorchester unter Manfred Honeck eine im Jetset des internationalen Musiklebens weit gehend unbekannte Formation.

Doch gerade bei No-Label-und No-Ad-Produkten ist man bekanntermaßen auch vor angenehmen Überraschungen nicht sicher. Und so lag die vom Publikum lebhaft bekundete Freude über diese schwedische Begegnung hoch über jener, die kurz zuvor eine andere in Gestalt der schwedisch-österreichischen Verfilmung von Henning Mankells Rückkehr des Tanzmeisters auszulösen vermochte.

Vor allem weil Manfred Honeck, seit vier Jahren Chefdirigent des Orchesters, diese ebenfalls zu einer schwedisch-österreichischen machte. War der heute 46-jährige Vorarlberger, bevor er zu dirigieren begann, doch einige Jahre Bratschist bei den Wiener Philharmonikern. Dass er auch als Dirigent von hoher schlagtechnischer Akkuratesse erzieherische Qualitäten und suggestive Autorität besitzt, bewies der Wiener Auftritt der Schweden.

Im Zentrum des Abends standen Gustav Mahlers Kindertotenlieder. Durch Anne Sofie von Otter erfuhren sie eine exemplarische Wiedergabe von meisterhafter Schlichtheit, durch die auch die vielfach unterschätzten Qualitäten der Rückert-Texte hörbar wurden und sich mit der vom Orchester bestens realisierten trauervollen Verlorenheit zu dichter Wirkung verbanden.

Flankiert war dieser beinah meditative Mittelteil von zwei mit saftigen Orchesterfarben und dynamischem Überschwang nicht geizenden Stücken: Ottorino Respighis eingangs gespielte Vertrate di chiesa (Kirchenfenster) bestehen aus vier glänzenden Mixturen aus Gregorianik, Kirchentönen und schwelgerischem Impressionismus, bei deren Aufführung die Schweden keine Gelegenheit zu opulentem Prunk ausließen.

Ebenso wenig wie während der zum Abschluss mit großer Präzision sehr kontrastfreudig vorgeführten Tondichtung Also sprach Zarathustra von Richard Strauss. (Peter Vujica/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 4. 2004)

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