"Neffentrick" brachte 50.000 Euro

14. April 2004, 20:15
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Vor allem Senioren sind Ziel einer Betrügerbande, die sich als, in Not geratenen Verwandte ausgeben und Sparbuch plündern

Der Trick, sich am Telefon bei gutgläubigen Verwandten als Neffe oder Nichte mit Geldsorgen auszugeben, funktioniert - vor allem bei Senioren, die von solchen Anrufen überrumpelt werden oder mit angeblich in Not geratenen Verwandten Mitleid haben und ihr Sparbuch plündern.

Bereits 17 Betrugsfälle sind bei der Polizei bekannt. 50.000 Euro hat sich eine Betrügerbande heuer bereits von vorwiegend älteren Menschen ergaunert. "Es gibt aber eine beträchtliche Dunkelziffer", meint Helmut Filz von der Kriminaldirektion 1 am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Die Täter würden organisiert und sehr gezielt vorgehen, warnt Filz. Bei den Gesprächen würden Gutgläubige gezielt ausgehorcht. Die höchste Summe, die einem vermeintlichen Verwandten gegeben wurde, belief sich auf 20.000 Euro. Treffen zwischen den angeblichen Verwandten finden jedoch nie statt, das Geld wird an einen so genannten Vermittler - der unter anderem als Autoverkäufer ausgegeben wird - weitergegeben.

Opfer beobachtet

Die Opfer wurden zudem beobachtet, so die Ermittler, ob sie nicht mit jemand anderem in Kontakt treten oder gar zur Polizei gehen.

Solche Vermittler wurden jetzt von der Polizei festgenommen. Die 30-jährige Marta S. aus der Brigittenau und die 50-jährige Leokadia N., ohne Unterstand, wurden auf frischer Tat ertappt. Die Jüngere zeigte sich bereits geständig, sagte Filz. Am Karsamstag wurde dann der mutmaßliche Hintermann, der staatenlose 48-jährige Kalman K., festgenommen. Er soll sich neben seinen Machenschaften außerdem unter falschem Namen im Wiener Allgemeinen Krankenhaus eine Dialysebehandlung erschlichen haben.

Schon 2002 zog der "Neffentrick". Damals belief sich der "Neffentrick"-Schaden auf 150.000 Euro. (APA, aw/DER STANDARD; Printausgabe, 14.4.2004

Hinweise an die Kriminal- direktion 1 unter der Telefon- nummer (01) 313 10-36851 oder -36072 erbeten.
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